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Baikalsee: Ein Silberstreif am Horizont

Das Ende ist in greifbare Nähe gerückt: Einer der größten Umweltsünder an den Ufern des Baikalsees, die Holz- und Papiermühle Baikalsk, soll nach Aussage des Regierungsvorsitzenden der Russischen Förderation, Michail Kasjanow, die Zellstoffproduktion einstellen. Greenpeace Russland begrüßte die Äußerung des russischen Ministerpräsidenten allerdings mit Vorbehalt - noch folgten auf die schönen Worte keinerlei handfeste Taten.

Wie man der Internet-Seite der russischen Regierung entnehmen kann, hat Kasjanow erklärt, der Baikalsee, den die UNESCO als Weltnaturerbe einstuft, muss geschützt werden. Um das empfindliche ökologische Gleichgewicht im See zu erhalten, sei es notwendig die Zellstoffherstellung zu stoppen und den Industrieabfall der Mühle vom übrigen Müll aus Baikalsk zu trennen. Außerdem müsse eine eigene Kläranlage für die Stadt errichtet werden.

Greenpeace hat die Worte des Regierungschefs mit Freude vernommen, sagte der Greenpeace-Sprecher Joost von Marrewijk. Allerdings bleibt abzuwarten, ob sich ihnen auch konkrete Handlungen anschließen werden. Es scheint so, als ob die vielen Appelle von Umweltschützern seit langer Zeit endlich von 'denen da oben' erhört worden sind. Eine der größten Bedrohungen für den Status als Weltnaturerbe würde verschwinden, wenn der Einsatz von gefährlichen chemischen Stoffen am Ufer dieses einzigartigen Sees gestoppt wird.

Greenpeace Russland weist aber darauf hin, dass die Äußerungen Kasjanows sich nicht ganz im Einklang mit früheren Übereinkünften befinden. So wurde bereits beschlossen, die Verwendung des hochgiftigen Chlors gänzlich zu verbieten und einen vollkommen geschlossenen Wasserkreislauf für die Papiermühle zu installieren. Das soll mit Hilfe von Krediten der Weltbank noch vor 2006 geschehen.

Wenn man die Wirtschaftslage in Russland berücksichtigt, sind Kasjanows Erklärung zusammen mit dem bereits schon gefassten Beschlüssen die besten Lösungsschritte, sagt Marrewijk. Auf diese Weise nehmen Produktion und Verschmutzung ab, bis eine saubere Alternative die bisherige Produktionstechnik der Papiermühle ersetzen kann. Dadurch wird weder die lokale Wirtschaft zerstört, noch der Baikalsee.

Die Holz- und Papierfabrik hat ihre Arbeit bereits 1966 aufgenommen. Sie gilt heute als völlig veraltet. Zudem steht sie in einer von Erdbeben bedrohten Region. Doch dieses Industrie-Fossil durfte bislang weiter produzieren, weil der russische Staat fast die Hälfte der Anteile an der Holzmühle hält. Ein weiteres Hemmnis könnte sein, dass einem anderen Mitanteilseigner ein Ende der Fabrik nicht gelegen käme: Das Unternehmen Basic Elements, eine der größten Holdings Russlands, hat es nach Einschätzung von Fachleuten nämlich auf die 22,4 Millionen Dollar aus dem Kredittopf der Weltbank abgesehen.

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