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Computer enthalten weiter giftige Stoffe

Aufgeschoben gleich aufgehoben?

Fast alle großen Hersteller von Handys und PCs haben ihre Fristen nicht eingehalten: Zum Jahreswechsel 2009/2010 wollten unter anderem Dell, Samsung, Acer, HP und Toshiba die giftigen Stoffe Polyvinylchlorid (PVC) und alle bromhaltigen Flammschutzmittel (BFR) aus ihren Elektronikprodukten verbannen. Dieses Versprechen hatte Greenpeace den Herstellern 2006 mit der Kampagne Grüne Elektronik abgerungen. Anlass waren unter anderem die katastrophalen Konsequenzen für Menschen und Umwelt, die der giftige Elektroschrott dort hervorruft, wo er recycelt wird - in Ghana, Nigeria und China.

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Der Leitfaden für grüne Elektronik ist das entscheidende Mittel, mit dem Greenpeace Druck auf die Hersteller ausübt. Alle drei Monate werden die 18 größten Hersteller von Mobilfunkgeräten und Computern herauf- oder herabgestuft. Drei Hauptkriterien geben den Ausschlag: Gestaltet der Hersteller die Produkte und die Fabrikation möglichst klimafreundlich? Ist der Hersteller bereit seine Elektrogeräte selbst zu recyceln? Verwendet er die giftigen Substanzen PVC und BFR?

Für ehrgeizige Ziele hat Greenpeace Pluspunkte verteilt. So auch für die Zusagen bis spätestens Anfang diesen Jahres BFR und PVC nicht mehr zu verwenden. Dass Toshiba und Co. dieses selbstgesteckte Ziel nur bei den wenigsten Geräten erreicht haben, straft Greenpeace ab und stuft beispielsweis Toshiba von Platz drei auf Platz 14 zurück. Mit Protest-Aktionen vor der Dell- und Samsung-Zentrale in diesem Frühjahr erhöhte Greenpeace den Druck.

Die Leidtragenden sind die Menschen in Ghana, China oder Nigeria, die den elektronischen Müll aus den Industrieländern recyeln und sich dabei auf Dauer schwere gesundheitliche Schäden zuziehen. Denn der Müll-Export ist zwar von der EU mit der Basler Konvetion verboten worden. Unter einem anderen Namen, gedeiht er aber weiter: Second-Hand. Menschen aus den Industrienationen bringen die Second-Hand-Computer unter dem Vorwand hierher, dass sie die digitale Lücke schließen wollen. Anstatt dessen schaffen sie hier eine digitale Müllhalde, sagt Mike Anane, Experte für Elektroschrott in Ghana.

Fast alle Second-Hand-Computer seien kaputt, sagt er weiter. Um noch einen Gewinn mit dem Müll zu machen, verbrennen viele Menschen den ganzen Tag lang alte PCs und Handys und sammeln aus der Asche das übriggebliebene Kupfer oder Gold. PVC und BFR machen die Dämpfe, die sie dabei inhalieren, krebserregend. Mitverantwortlich dafür ist die Computerindustrie, weil sie weiter PVC und BFR in ihren Monitoren und Kabeln verarbeiten.

Auch die Umwelt wird unwiderbringlich geschädigt. Die Asche von den Recycling-Feuern wird vom Wind verteilt und vom Regen weggespült. Sie enthält ebenfalls PVC und BFR. Diese Substanzen erregen nicht nur Krebs, sie können auch die Gehirnentwicklung stören und Hormon- und Immunsystem negativ beeinflussen. Außerdem sind sie sehr langlebig, bleiben also lange in der Umwelt, wenn sie einmal freigestzt sind.

Weidende Tiere, Fische und über sie auch Menschen, nehmen die Stoffe auf. Unfruchtbarkeit oder Unterentwicklung können die Folge sein. Dass PVC und BFR durch umweltfreundliche Stoffe ersetzt werden können, zeigt Apple. Deren Produkte sind fast vollständig PVC- und BFR-frei. Produzenten von Elektro-Geräten müssen Verantwortung übernehmen und endlich die giftigen Stoffe aus ihren Geräten verbannen, sagt Kim Schoppink, Expertin für Umweltgifte bei Greenpeace Niederlande. Nur wenn die Hersteller ihre Geräte recyceln, können sie verhindern, dass sie in Entwicklungsländern enden. Dort verschmutzen sie die Umwelt und schädigen die Gesundheit der Menschen.

Erfahren Sie mehr: Wohin wird Elektro-Schrott aus Europa transportiert? Was macht Ghana mit dem Second-Hand-Müll? Was für eine Rolle spielt Hongkong beim Elektromüll-Handel? (auf enfglisch)

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