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Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“ in Hamburg

Anständig angezogen?

Das Museum für Kunst und Gewerbe blickt hinter die Kulissen der Modeindustrie. Und zeichnet ein düsteres Bild – mit einigen Lichtblicken, allerdings. 

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Hinter der idealisierten glitzernden Modewelt steckt eine knallharte Industrie. Welche bitteren Folgen die Produktion von immer mehr Kleidung für Menschen und Umwelt hat, zeigt die Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“, die noch bis Ende September im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zu sehen ist.

Videos zeigen makellose Models im Kontrast mit den Gesichtern von müden Näherinnen; verschmutzte Flüsse schäumen pink und grün. Pullover sind mit Bildern der eingestürzten Kleiderfabrik Rana Plaza in Bangladesch bedruckt, und die berühmten Greenpeace-Fotos von Lu Guang, Gewinner des World Press Photo Award, zeigen Jeans-Produktionen in China,  bei denen Arbeiter nahezu schutzlos mit gefährlichen Chemikalien hantieren. Die Ausstellung ist also auf Angriff gepolt, und sie setzt auf Schockwirkung  – wenn etwa für Wolle totgeschlagene Schafe über die Bildschirme flimmern oder Angora-Kaninchen, denen bei lebendigem Leibe das Fell ausgerupft wird.

Wie sieht ökologische und ethische Mode aus?

Greenpeace hat die konsumkritische Schau mit entwickelt, denn die schnelllebige Industrie steht seit 2011 auch im Fokus der globalen Detox-Kampagne der Umweltschutzorganisation. Bislang 30 weltbekannte Firmen haben sich auf Druck von Greenpeace verpflichtet, sauber zu produzieren.

Den Überkonsum von Kleidung zeigen Info-Grafiken in der Ausstellung. Sie belegen, dass sich der Verbrauch von Textilien von 2000 bis 2010 um 47 Prozent gesteigert hat – und dass nur ein Bruchteil von dem, was in den Kleiderschränken hängt, auch getragen wird. Dabei erkannte schon die Modeschöpferin Coco Chanel: „Eleganz heißt Verweigerung“.

„Heute heißt Eleganz, auf das Tragen von Mode zu verzichten, die nicht ökologisch und ethisch anständig gemacht ist“, sagt Kirsten Brodde, Greenpeace-Expertin für Textilien. Wie die Mode von morgen aussehen kann, zeigt die Ausstellung in einem zweiten Raum, dem „Slow Fashion Labor“. Hier geht es um Mode, die aus Resten gefertigt wird. Und um wegweisende Ideen wie die der Kleiderei in Hamburg, wo man Mode leihen kann wie Bücher in einer Bibliothek. Auch werden Ratgeber vorgestellt, die Verbrauchern die Öko-Siegel erklären: Prädikate, die man kennen muss, wenn man zukunftsfähige Mode tragen will.

Nach dem Auftakt in Hamburg geht die Schau ins Hygiene-Museum nach Dresden und danach – hoffentlich – auf Tour durch die Welt. 

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