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19 Jahre Bhopal-Katastrophe

Weltweit haben Menschen am Mittwoch der Opfer von Bhopal gedacht. Über die indische Stadt brach vor 19 Jahren die schlimmste Chemiekatastrophe aller Zeiten herein. In Horgen/Schweiz erinnerten Greenpeace-Aktivisten den Chemiemulti Dow Chemical an seine Verantwortung. Sie stellten vor der europäischen Konzernzentrale eine Kopie des Bhopal-Memorials auf: Eine sterbende Mutter versucht, mit ihren Kindern der tödlichen Gaswolke zu entfliehen.

Mit Aktionen in 16 Ländern unterstützten Greenpeace und die Internationale Kampagne für Gerechtigkeit in Bhopal (ICJB) den Kampf der Überlebenden um Wiedergutmachung. In Mumbai, früher Bombay, legten sich mehr als 100 Menschen auf dem Bürgersteig des Marine Drive nieder. Der Teppich aus Menschenleibern soll an die Tage nach dem Unheil erinnern, als die Körper der Getöteten die Straßen von Bhopal bedeckten.

Damals, in der Nacht zum 3. Dezember 1984, waren in einer Pestizidfabrik des US-amerikanischen Chemieunternehmens Union Carbide, mittlerweile von Dow Chemical übernommen, 80 Tonnen eines tödlichen Gasgemischs ausgetreten. Ursache: Einsparungen bei den Sicherheitsvorkehrungen.

Das Gas tötete 2.000 Menschen auf der Stelle, mindestens 8.000 starben innerhalb der ersten drei Tage. Insgesamt sind seit jenem Tag rund 20.000 Menschen an den Folgen des Desasters gestorben. Mehr als 150.000 Menschen wurden dauerhaft schwer geschädigt. Eltern, die dem Gas ausgesetzt waren, bekamen Kinder mit Missbildungen.

Wir hörten Lärm von draußen und jemand öffnete die Tür. Eine giftige Windbö traf uns. Ich sagte zu meiner Familie, dass wir weglaufen müssten, denn draußen rannten alle weg. So merkten wir, dass in der Union Carbide-Fabrik etwas passiert war.

Unsere Augen waren entzündet, wir konnten sie nicht öffnen, wir liefen blind. Mein Vater, meine Schwester, jeder hatte Schaum vor dem Mund. Wir wussten nicht, was wir tun sollten, also liefen wir so weit wir konnten und saßen schließlich einfach nur da. So beschreibt Rasheeda Bee die Nacht zum 3. Dezember 1984.

Ein Jahr später wurde vor der verseuchten Pestizidfabrik das Bhopal-Memorial aufgestellt. Die holländische Künstlerin Ruth Watermann hatte es zusammen mit den Witwen von Bhopal erschaffen. Die Überlebenden kämpfen bis heute um Gerechtigkeit: um die Verurteilung der Verantwortlichen, um medizinische Langzeitbetreuung, finanzielle Wiedergutmachung und sauberes Trinkwasser.

Nach 19 Jahren ist das Gelände der verseuchten Fabrik immer noch nicht dekontaminiert. Gift lagert in verrottenden Säcken und rostenden Fässern. Das Grundwasser ist verseucht. Als 56 Freiwillige und Greenpeace-Aktivisten im November 2002 das Gelände zu sanieren versuchten, wurden sie von der Polizei unter Schlagstock-Einsatz gehindert und vorübergehend festgenommen.

Nachdem schon Union Carbide sich aus der Verantwortung gestohlen hat, verweigert seit 2001 auch Rechtsnachfolger Dow Chemical jegliche Hilfe. Der Konzern schreckt nicht einmal davor zurück, Überlebende vor Gericht zu zerren, die auf Dow-Gelände für ihr Recht demonstrieren.

Auch Sie können für die Opfer von Bhopal aktiv werden. Mehr darüber auf den Seiten von Greenpeace International und Greenpeace India. (sit)

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