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Auf die Umsetzung kommt es an

Niedersachsen will Teilbestände seiner Wälder aus der Forstnutzung nehmen und so den Waldschutz vorantreiben. Greenpeace fordert stimmiges Gesamtkonzept.
 

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Bis 2020 will die niedersächsische Regierung mehr als 30 000 Hektar - das entspricht etwa zehn Prozent ihrer Waldbestände - aus jeglicher Forstnutzung nehmen und einer natürlichen Entwicklung überlassen. Die Umsetzung soll im nächsten Jahr beginnen. Dies kündigte Forstminister Christian Meyer von den Grünen am Donnerstag in Schneverdingen an. Nach Greenpeace-Berechnungen sind derzeit mit dem Nationalpark Harz und kleineren Waldschutzgebieten erst rund vier Prozent der niedersächsischen Landeswälder dauerhaft aus der forstlichen Nutzung genommen.

„Wir begrüßen das Vorhaben von Forstminister Christian Meyer ausdrücklich“, sagt Gesche Jürgens, Waldexpertin bei Greenpeace, „doch nun komme es darauf an, den Umsetzungsprozess so zu gestalten, dass ein stimmiges Gesamtkonzept für den Waldschutz entsteht“.

Aufgabe der Politik, öffentliche Wälder zu schützen

Ministerium und Landforste wollen zunächst eine Strategie entwickeln, wie die zehn Prozent Landeswald aus der Nutzung genommen werden können und dann mit der Umsetzung im kommenden Jahr beginnen. „Es gilt, alte Waldstandorte und historische Waldnutzungsformen mit ihrem hohen Naturschutz- und Erholungspotenzial zu bewahren“, sagte Meyer. „Standortheimische Baumarten sowie natürliche und naturnahe Waldgesellschaften sollten nicht nur erhalten, sondern auch weiterentwickelt werden, denn diese Flächen sind ausgesprochen wichtig für den Naturschutz und die Biodiversität“.

Greenpeace fordert deshalb auch, weitere Interessensgruppen wie zum Beispiel Umweltverbände in die Planung des Gesamtkonzepts einzubinden. Außerdem fordern die Umweltschützer eine konkrete Sofortmaßnahme vor Beginn des Laubholzeinschlags im Herbst: „Der Forstminister muss den Holzeinschlag in den über 140 Jahre alten Buchen- und anderen Laubwäldern des Landes aussetzen, bis der Ausweisungsprozess abgeschlossen ist. Nur so kann sichergestellt werden, dass ökologisch besonders wertvolle Waldgebiete nicht noch durch Holzeinschlag beschädigt werden, bevor die Möglichkeit besteht, sie in die zukünftige Schutzkulisse aufzunehmen“, so Gesche Jürgens

Bei der Ausweisung neuer Waldschutzgebiete sollen vor allem größere Gebiete von über 500 bis 1 000 Hektar stärker berücksichtigt werden, da sie einerseits Vorteile für den Naturschutz mit sich bringen, andererseits für erholungssuchende Menschen von großer Attraktivität sind. "Kleinstflächen von wenigen Hektar sind für Bürgerinnen und Bürger nicht erlebbar. Auch für den Naturschutz bringen sie wenig, zum Beispiel wegen Auflagen durch Verkehrs- und Arbeitssicherheitsmaßnahmen."

Greenpeace hat ein Gutachten veröffentlicht, in welchem Waldgebiete identifiziert werden, die sich als zukünftige Urwälder besonders gut eignen. Dazu gehören unter anderem Buchenwälder im Südharz sowie im Solling.

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