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WHO spielt Gesundheitsgefährdung durch Fukushima herunter

Anlässlich des heutigen Weltgesundheitstages fordert Greenpeace die UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf, zuverlässige Informationen über die gesundheitlichen Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Fukushima vorzulegen und den Maulkorberlass der Internationalen Atomenergiebehörde abzustreifen.

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In den letzten Wochen wurde über tausendfache Grenzwertüberschreitungen für radioaktive Stoffe durch die havarierten Reaktoren in Fukushima berichtetet. Doch das für den Westpazifik zuständige Büro der UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) spielt die Gesundheitsrisiken herunter. In der Zusammenfassung zu ihrem letzten Situationsbericht vom 6. April teilte die WHO beispielsweise mit, die im Seewasser am 3. April gezogenen Proben lägen unter den zulässigen Grenzwerten für Jod-131, während Medien am selben Tag berichteten, dass im Meer eine Strahlendosis gemessen worden sei, die den Grenzwert um das 4000-Fache übertrifft.

Die Luftbelastung außerhalb der Evakuierungszone um Fukushima bezeichnete die WHO am 4. wie am 6. April als stabil. Sie liege zwar über den Werten vor der Nuklearkatastrophe - es sei jedoch nicht von Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung auszugehen. Dies widerspricht den Messungen von Greenpeace. 30 Kilometer von der Atomruine entfernt stellte das Greenpeace-Team Strahlung bis zu 47 Mikrosievert pro Stunde fest. Bei solchen Werten ist die erlaubte maximale Jahresdosis in weniger als 24 Stunden erreicht.

Hintergrund für das kontinuierliche Herunterspielen der Gefährdungen durch die aus Fukushima entweichende Strahlung ist eine Vereinbarung der WHO mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) aus dem Jahre 1959. In dieser Vereinbarung gewährt die WHO der IAEO die Kontrolle über alle Gesundheitsstudien zu Folgen radioaktiver Strahlung und billigt damit, dass sie in ihrer Arbeit eingeschränkt wird.

Die WHO war bereits in ihrer Bewertung der Tschernobyl-Katastrophe kritisiert worden. Auch bei Fukushima spielt die WHO das Ausmaß des Unglücks, der freigesetzten Strahlung und der damit zusammenhängenden Gesundheitsgefährdung herunter.

Die Menschen in der Region um Fukushima haben das Recht, über die Gesundheitsgefahren durch die Atomkatastrophe aufgeklärt und angemessen geschützt zu werden, sagt Greenpeace-Sprecher Jürgen Knirsch. Das ist auch Aufgabe der WHO. Die Weltgesundheitsorganisation muss ihrer internationalen Verantwortung gerecht werden. Sie muss zeitnahe und aktuelle Informationen vorlegen und auch unabhängige Messungen ermöglichen. Spätestens jetzt muss die die WHO einschränkende Vereinbarung mit der Internationalen Atomenergiebehörde aufgekündigt werden.

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