Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Vielerlei Unstimmigkeiten beim Castortransport

Ein Rad ist alarmrot: Bei der Sichtung der Thermografiebilder- und Videos des aktuellen Castortransports hat Greenpeace Anomalien in der Wärmeverteilung an den Rädern festgestellt. Die Deutsche Bahn und die Einsatzleitung der Polizei wurden umgehend darüber informiert. Während die Bundespolizei laut dpa den Zug in Kehl untersucht und keine Unregelmäßigkeiten festgestellt hat, erklärt das Niedersächsische Innenministerium, das Problem in Kehl erkannt und behoben zu haben. Ja, was stimmt denn nun?

  • /

Fakt ist, dass der Zug rollt. Unverantwortlich, findet Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital: Eine Radachse zwischen Wagon sechs und sieben ist auf den Bildern deutlich wärmer als alle anderen. Das darf nicht ignoriert werden. Nicht bei dieser tödlichen Fracht, die in diesem Zug durch Deutschland fährt. Es muss dringend abgeklärt werden, woran es liegt, dass sich das Rad erwärmt. Vorher darf der Zug nicht weiterfahren!

Die Bundespolizei beruft sich darauf, eine Routineüberprüfung in Kehl vorgenommen und nichts Auffälliges gefunden zu haben. Die Antwort des Niedersächsischen Innenministeriums hingegen fällt anders aus. Auf Nachfrage von Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament, erklärt das Niedersächsische Innenministerium das Problem in Kehl festgestellt und behoben zu haben.

Wenn das stimmt, muss der Schaden ziemlich groß gewesen sein. Denn eine Auswertung unserer Thermografiebilder lag zu dem Zeitpunkt nicht vor. Die Verantwortlichen wussten also gar nicht, worauf sie achten müssen, erklärt Smital.

Die Fotos von Greenpeace stammen aus Valognes, dem Start des Castortransports. Das heißt, der Zug ist mit dieser Achse quer durch Frankreich gerollt. Und falls die Aussage der Bundespolizei stimmt, rollt er immer noch mit einem nicht untersuchten Problem ...

Weiterführende Publikationen zum Thema

Absage an die Atommüll-Kommission

Greenpeace hat gemeinsam mit der Anti-Atom-Organisation ‚Ausgestrahlt‘ und der 'Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg‘ die Teilnahme an der Anhörung der Atommüllkommission am 3. November 2014 in einem Brief abgesagt.

Mehr zum Thema

Rückkehr ins Ungewisse

Japans Versuche, die Region um das AKW Fukushima von Strahlung zu säubern, sind gescheitert, das zeigt ein Greenpeace-Report. Trotzdem sollen die Evakuierten zurück in ihre Häuser.

Der Wahnsinn in Tüten

Atommüll, der sich im Wald stapelt, Atomtransporte auf den Straßen – das Leben rund um Fukushima ist nicht normal. Jetzt reagiert sogar die UN und verlangt von Japan Aufklärung.

Ein klares Jein

An potenziellen Atommüll-Endlagern darf (fast) nicht gebohrt, gegraben, gehämmert werden, so ein neues Gesetz. Nur Gorleben bleibt eine Ausnahme – eine Greenpeace-Klage scheiterte.