Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Tiggemann-Gutachten zu Gorleben: beschönigend und manipulativ

Am heutigen Donnerstag sagt der Historiker Dr. Anselm Tiggemann als Zeuge im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bundestags zu Gorleben aus. Tiggemann ist der Verfasser des Gutachtens zur Vorauswahl von Gorleben als Endlagerstandort, das das niedersächsische Umweltministerium im Mai dieses Jahres vorstellte. Greenpeace bewertet dieses Gutachten als eindeutig beschönigend und schleichend manipulativ.

  • /

In seiner Studie nennt Tiggemann viele Gründe, die gegen Gorleben als Endlager sprechen. Allerdings verbannt er diese in Fußnoten oder verharmlost sie, während er im eigentlichen Text vor allem Positives herausstreicht. So ist zum Beispiel die wichtige Information, dass Gorleben ursprünglich aus geologischen Gründen bei der Endlagersuche nicht berücksichtigt wurde, in einer Fußnote versteckt.

Auch sonst steckt Tiggemanns Gutachten voller Widersprüche. Die Frage, weshalb Gorleben ursprünglich gar nicht auf der Liste möglicher Endlagerstandorte stand, beantwortet er damit, dass Gorleben in einem Ferien- und Erholungsgebiet liege. Doch das gilt auch für Lutterloh, einen Ort, der auf eben dieser Liste auf Platz 2 stand.

Insgesamt zeichnet Tiggemanns Studie kein ermutigendes Bild der Eignung Gorlebens als Endlager. Vielmehr zeigt sie, dass eine Nutzung als Endlager im Entscheidungsprozess zweitrangig war. Geologische Sicherheitskriterien wurden daher vernachlässigt. In Gorleben war zunächst eine Wiederaufbereitungsanlage geplant und die Untersuchungen zur Sicherheit des Standorts bezogen sich hauptsächlich darauf. Nur 13 Prozent der verwendeten Sicherheits- und Umweltkriterien waren für eine Nutzung als Endlager relevant.

Trotzdem kommt Tiggemann im Schlusskapitel der Studie zum Fazit, die Auswahl von Gorleben sei legitim, sachgerecht und üblich verlaufen. Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler fragt: Wurde das bewertende Schlusskapitel von Tiggemann selbst verfasst oder ist es unter dem Druck des Auftraggebers entstanden? Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) hatte auf der Grundlage von Tiggemanns Studie bekräftigt, Gorleben sei wissenschaftlich fundiert ausgewählt worden.

Edler stellt fest: Das Umweltministerium braucht den Anschein, Gorleben sei nicht aus politischen Gründen ausgewählt worden, sondern aus einem korrekten Auswahlverfahren hervorgegangen. Diese Studie gaukelt Gorleben als Lösung für die Endlagerfrage nur vor. Greenpeace fordert erneut, den Endlagerstandort Gorleben endgültig aufzugeben.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Absage an die Atommüll-Kommission

Greenpeace hat gemeinsam mit der Anti-Atom-Organisation ‚Ausgestrahlt‘ und der 'Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg‘ die Teilnahme an der Anhörung der Atommüllkommission am 3. November 2014 in einem Brief abgesagt.

Mehr zum Thema

Rückkehr ins Ungewisse

Japans Versuche, die Region um das AKW Fukushima von Strahlung zu säubern, sind gescheitert, das zeigt ein Greenpeace-Report. Trotzdem sollen die Evakuierten zurück in ihre Häuser.

Der Wahnsinn in Tüten

Atommüll, der sich im Wald stapelt, Atomtransporte auf den Straßen – das Leben rund um Fukushima ist nicht normal. Jetzt reagiert sogar die UN und verlangt von Japan Aufklärung.

Ein klares Jein

An potenziellen Atommüll-Endlagern darf (fast) nicht gebohrt, gegraben, gehämmert werden, so ein neues Gesetz. Nur Gorleben bleibt eine Ausnahme – eine Greenpeace-Klage scheiterte.