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Sieben Minuten für ein Plädoyer gegen Atomkraft

Gegner und Befürworter der Atomkraft hatten gestern Abend in Berlin jeweils sieben Minuten lang Gelegenheit, der Ethikkommission ihre Argumente vorzutragen. Auch Greenpeace-Kernphysiker Heinz Smital war eingeladen und plädierte für den Ausstieg aus der Atomkraft. Das Skript zu seiner Rede finden Sie auf unserer Website.

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Die Bundesregierung hatte die Kommission nach der Katastrophe von Fukushima einberufen, um die Folgen der Nutzung von Atomkraft zu bewerten. Smital gab ein eindrucksvolles Beispiel für die möglichen Auswirkungen eines atomaren Unfalls in Deutschland: Er hob sein zu drei Vierteln gefülltes Wasserglas und erklärte, eine solche Menge Cäsium-137 (ca. 100 Gramm) reiche aus, um die halbe Landesfläche der Bundesrepublik zu kontaminieren.

Im Skript ist dieses Beispiel nicht zu finden. Smital las seine Rede nicht ab, er sprach frei und ergänzte den Text spontan.

Die Rede im Manuskript

Sehr geehrte Damen und Herren,

Greenpeace begrüßt ausdrücklich die Einberufung und Zielsetzung dieser Ethikkommission. Auch wenn Sie Ihren Auftrag von der Bundesregierung bekommen haben, so sind Sie in Ihrem Handeln doch der gesamten deutschen Bevölkerung verpflichtet.

Die Reaktorkatastrophe in Fukushima zieht dramatische und tragische Konsequenzen für die Menschen in Japan nach sich. Ihre weitreichenden Folgen betreffen uns auf der ganzen Welt. Die zentralen Lehren, die wir hieraus ziehen können, müssen sich meiner Meinung nach vor allem mit dem Restrisiko, der Beherrschbarkeit, dem Schadensausmaß und der Endlagerung befassen.

Die zentrale Frage lautet: Was also können wir, was kann Deutschland aus der Katastrophe in Fukushima lernen? Aus einem Ereignis, das man niemals für möglich gehalten hätte und das dennoch eingetreten ist. Wir haben gelernt, dass die Wahrscheinlichkeit einer atomaren Katastrophe keineswegs bei 1 zu 1 Million liegt, wie uns Wissenschaft und Industrie bislang erzählt haben. Das Risiko ist um ein Vielfaches höher als angenommen.

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