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Schadensbilanz aus 50 Jahren Atomkraft: 5700 Pannen in Atomanlagen

Kein Grund zum Feiern: Anlässlich des 50. Jahrestags des Deutschen Atomforums, dem Lobbyverband der Energiewirtschaft, weist Greenpeace auf die Pannenbilanz deutscher Atomanlagen hin. Von 1965 bis September 2008 gab es rund 5700 meldepflichtige Ereignisse, wie Unregelmäßigkeiten in Atomkraftwerken genannt werden. Ungeachtet dessen hat das Atomforum zu einer Festveranstaltung geladen, bei der auch Bundeskanzlerin Merkel (CDU) auftritt. Nicht geladen: die Atomkritiker. Greenpeace kommt trotzdem.

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Auslöser der Störungen im AKW-Betrieb waren unter anderem Kühlwasserleckagen und Löcher im Druckwasserbehälter, beschädigte Rohrleitungen und Ventile, totaler Stromausfall und Feuer sowie eine Wasserstoffexplosion nahe des Reaktordruckbehälters. Jede dieser 5700 Pannen hätte zu einer Atomkatastrophe führen können, sagt Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer. Die Risiken der Atomkraft haben sich durch alternde Reaktoren und neue Gefahren wie terroristische Anschläge deutlich erhöht.

Wenn Frau Merkel mit dem Atomforum feiert, verhöhnt sie die gesundheitlichen Schäden und die tödlichen Risiken, die durch Atomkraft entstehen, so Münchmeyer weiter. Gegen den Schulterschluss von Merkel mit der Atomindustrie protestieren Greenpeace-Aktivisten am Abend. Eine sechs Meter lange Attrappe eines Castor-Transportbehälters für Atommüll und ein Banner mit der Aufschrift Die Menschen wollen keine Atomkraft, Frau Merkel werden vor dem E-Werk in Berlin postiert.

Die CDU macht sich in ihrem Wahlprogramm zum Fürsprecher der Atomindustrie, indem sie eine Verlängerung der Laufzeiten für alte Atomkraftwerke fordert. Die Risiken scheinen dabei keine Rolle zu spielen: Erst gestern war bekannt geworden, dass es im gerade wieder angefahrenen AKW Krümmel eine erneute Panne gegeben hatte. Der Pannenreaktor Krümmel muss ebenso wie die sieben ältesten deutschen Meiler sofort vom Netz, fordert Münchmeyer.

Das Deutsche Atomforum hatte behauptet, dass Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken zu einer Senkung der Strompreise führten. Das hat eine Studie des Bundesumweltministeriums jüngst widerlegt: Im Gegenteil, so hieß es, sei sogar die Möglichkeit gegeben, dass bei einer Laufzeitverlängerung das Strompreisniveau steigt.

Politik und Atomlobby handelten bereits früher Hand in Hand, wie die Skandale um das marode Endlager Asse II beweisen. Nach Recherchen des Spiegel ließ sich die Bundesregierung die Öffentlichkeitsarbeit für das niedersächsische Endlager vom Deutschen Atomforum finanzieren. Zwischen 1997 und 2002 flossen fast 700.000 Euro an den damaligen Asse-Betreiber, die Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF, heute Helmholtz-Zentrum). Das Asse-Desaster steht für das Scheitern des Deutschen Atomforums und der Atomindustrie, so Münchmeyer. Atomkraft ist gefährlich, blockiert den Ausbau der Erneuerbaren Energien und damit neue Jobs in Deutschland.

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