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Sarkozy lässt zweiten EPR in Frankreich bauen

Frankreich will in Penly am Ärmelkanal ein weiteres Atomkraftwerk vom Typ EPR bauen. Umweltschützer reagieren empört auf die Ankündigung. Yannick Rousselet von Greenpeace spricht von einer einsamen Entscheidung des französischen Präsidenten, intransparent und bar jeglicher ökonomischer Vernunft.

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Der EPR (European Pressurized Water Reactor) ist ein Reaktortyp der dritten Generation. Derzeit sind zwei solcher Atomkraftwerke im Bau: im finnischen Olkiluoto und in Flamanville/Frankreich. Beide Projekte zeichnen sich durch erhebliche Probleme, zeitliche Verzögerungen und explodierende Kosten aus. Umso unverständlicher ist Sarkozys Entscheidung.

Mit dem Forcieren der Atomkraft unterläuft der französische Präsident die Klimaschutzziele der EU. Der AKW-Bau bindet gigantische Summen, die für die Energiewende und den Ausbau der erneuerbaren Energien benötigt würden. Zudem wird der zusätzliche Atomstrom nicht einmal gebraucht - Frankreich wird ihn exportieren. Überschussproduktion statt Energieeffizienz und Stromsparen, und dies über nationale Grenzen hinaus.

Frankreich ist komplett schizophren, konstatiert Yannick Rousselet vom französischen Greenpeace-Büro. Dieser zweite EPR widerspricht ganz klar den Verpflichtungen des Umweltgipfels Grenelle. Dort hat sich Frankreich zu 23 Prozent Erneuerbaren und 20 Prozent Verbrauchsminderung bis 2020 verpflichtet.

Die Entscheidung markiere das Ende des nationalen Umweltprozesses von Grenelle 2008. Sie sei ausschließlich den Interessen der Atomindustrie geschuldet.

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