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Röttgen reist ins Wendland

In Gorleben besucht der Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) heute das mögliche Atommüll-Endlager. Ziel seines Besuchs sollte neben der Besichtigung des Salzstocks auch der Dialog - fast einen Monat nach dem jüngsten Castor-Transport und nach der Wiederaufnahme der Erkundung.

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Die Regierung hat durch die Laufzeitverlängerung und ihre einseitige Gorlebenpolitik den Dialog mit den Bürgern längst aufgekündigt. Atomminister Norbert Röttgen hat 4800 Tonnen zusätzlichen Atommüll und einen Ausbauplan für ein Endlager in Gorleben mit im Gepäck, wenn er heute ins Wendland kommt, sagt Greenpeace Atomexperte Matthias Edler. Röttgen ist ein Wolf im Schafspelz, der offensichtlich mehr am Wohlbefinden der Atomindustrie interessiert ist als an der Umwelt oder der Sicherheit der Bürger. Das ist eine Schande für einen Politiker.

Mit den Bürgern wird der Bundesumweltminister nicht reden. Nach der Besichtigung des Lagers will Röttgen sich mit Graf von Bernstorff treffen. Er besitzt Grundstücke, die über dem Salzstock liegen - und weshalb die darunter liegenden Bereiche bisher nicht erkundet werden konnten.

Wie Röttgen wirklich denkt und handelt, zeigt auch seine Position zu den geplanten Castortransporten nach Majak. Der Minister will, dass radioaktive Abfälle aus Deutschland in den maroden russischen Atomkomplex verschoben und dort wiederaufgearbeitet werden, sagt Edler. Die strahlenden Abfälle aus diesem Prozess sollen in Russland einfach in der Umwelt verklappt werden. Die entsprechenden Verträge für diesen schmutzigen Deal wurden auch diesmal im Geheimen mit der Atomindustrie ausgehandelt. Röttgen muss sie endlich veröffentlichen.

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