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Protest gegen AKW Neckarwestheim I

Greenpeace-Aktion vor der EnBW-Zentrale in Karlsruhe: Die Aktivisten protestieren gegen Pläne des Energieversorgers, die Laufzeit seines AKW Neckarwestheim I verlängern zu lassen. Dabei übergeben sie 2.500 Protestpostkarten, die im letzten halben Jahr in Baden-Württemberg gesammelt wurden. Mit ihren Unterschriften fordern die Bürgerinnen und Bürger von EnBW, auf die Laufzeitverlängerung zu verzichten.

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Die Greenpeace-Aktivisten fordern den Konzern zudem auf, Verantwortung für den von ihm betriebenen 33 Jahre alten Atommeiler zu übernehmen. Energie ist Verantwortung, lautete die Überschrift des letzten EnBW-Geschäftsberichts.

Wenn EnBW mit dem Slogan 'Energie ist Verantwortung' wirbt, dann sollte der Energiekonzern seinen Worten auch Taten folgen lassen. Stattdessen will EnBW eine Laufzeitverlängerung für seinen Uraltreaktor in Neckarwestheim durchsetzen und damit weitere sieben Jahre lang Atommüll produzieren, so Stephan Späth von Greenpeace Karlsruhe. EnBW geht es nur um Profit. Der Konzern ist offensichtlich nicht bereit, seine Firmenpolitik verantwortungsvoll neu auszurichten.

Laut Atomkonsens sollte das AKW bereits Ende 2008 vom Netz gehen. Dies verzögert sich nun bis voraussichtlich Frühjahr 2010, da die vereinbarte Reststrommenge langsamer verbraucht wurde. Wenn es nach dem Willen von EnBW geht, soll Neckarwestheim I bis 2017 am Netz bleiben. Um dies zu ermöglichen, will der Konzern Strommengen von Neckarwestheim II auf Block I übertragen lassen. Im Gegenzug soll Block II nicht wie geplant 2021 sondern ebenfalls 2017 stillgelegt werden. Das Bundesumweltministerium hat diese Übertragung unter der großen Koalition abgelehnt. EnBW klagt derzeit gegen diesen Bescheid. Im Gespräch ist auch ein erneuter Antrag auf Strommengenübertragung.

Greenpeace fordert von EnBW die Abschaltung von Neckarwestheim I zum vereinbarten Zeitpunkt und den Ausstieg aus der Atomenergie so schnell wie technisch möglich. Außerdem sollte der Konzern massiv in Erneuerbare Energien und Effizienzmaßnahmen investieren.

EnBW und die anderen großen Energieversorgungsunternehmen versuchen, den Innovationsmotor Atomausstieg abzuwürgen, um ihre marktbeherrschende Stellung zu bewahren, kritisiert Späth. Für Neckarwestheim I darf es keine Laufzeitverlängerung geben. Wer Atomkraftwerke länger betreiben will, blockiert die dringend notwendige Energiewende hin zu einer sauberen und sicheren Stromproduktion in Baden-Württemberg.

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