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Protest auf EPR-Baukran in Olkiluoto

Greenpeace-Aktivisten haben am Pfingstmontag im westfinnischen Olkiluoto gegen den Bau des EPR protestiert. Der neue Reaktor ist noch weit von der Fertigstellung entfernt, doch schon jetzt sind über 1.000 Verstöße gegen Sicherheitsstandards dokumentiert. Einigen Aktivisten gelang es, einen Kran mitten auf der Baustelle zu erklettern. Dort harrten sie auch am Dienstag noch aus.

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Olkiluoto 3 soll angeblich grundsätzlich sicherer sein als alle bislang existierenden Reaktoren der Anlage. Was da jetzt gebaut wird, ist ein Prototyp des weltgrößten Meilers, mit einem engen Zeitrahmen und von einem Unternehmen, das verzweifelt versucht, durch Streichungen finanzielle Verluste auszugleichen, sagt Martina Krüger, Energieexpertin von Greenpeace.

Der Bau des EPR ist ein Desaster. Die zahlreichen Sicherheitsprobleme erhöhen das Risiko späterer Betriebsstörungen oder eines Unfalls. Was der Auftraggeber des Reaktors, das Unternehmen Teollisuuden Voima (TVO), versprochen hat, hat sich als falsch erwiesen. In ihrem Antrag an die finnische Regierung schätzte TVO die Baukosten auf 2,5 Milliarden Euro und die Bauzeit auf vier Jahre. Mittlerweile übersteigen die Kosten vier Milliarden Euro bei mindestens sechs Jahren Bauzeit.

Die immensen Schwierigkeiten um Olkiluoto 3 beweisen, dass Atomkraft weit weniger zuverlässig und viel teurer ist als behauptet. Trotzdem wird das Projekt benutzt, um in Asien, Südamerika und Europa für Atomkraft zu werben. Finnland hat jetzt die Pflicht, schnell auf saubere und nachhaltige Energieträger umzusteigen, die überall in der Welt sicher angewendet werden können, fordert Krüger.

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