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Nej kärnkraftverk - Atomausstieg auf schwedisch

Rösta nej! Das war die Botschaft von 40 Greenpeace-Aktivisten, die heute Morgen über den Zaun des Atomkraftwerks Forsmark in Schweden kletterten und auf dem Gelände demonstrierten. Sie wollen das schwedische Parlament dazu aufrufen, am 17. Juni gegen den Bau neuer Atomkraftwerke zu stimmen.

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Der Atomausstieg ist in Schweden eigentlich seit 1980 beschlossene Sache. Anfang 2009 einigte sich das schwedische Kabinett jedoch auf den Ausstieg aus dem Ausstieg. Seit 30 Jahren sollen zum ersten Mal wieder neue Atomkraftwerke gebaut werden.

Das Parlament muss nun entscheiden, ob Schweden in Sachen Energie wieder einen Schritt zurück machen soll - Atomkraft statt Erneuerbare Energien. Daran erinnerten die Aktivisten mit ihren Kostümen: Verkleidet als Wind, Sonne und Regen protestierten sie auf dem Gelände des Vattenfall-Atomkraftwerks. Stimmt gegen Atomkraft forderten sie auf schwedisch auf. Mittlerweile mussten alle Aktivisten das Gelände wieder verlassen.

Das schwedische Parlament setzt den guten Ruf Schwedens, als Vorreiter in Sachen sauberer und sicherer Energie, aufs Spiel, sagt Ludvig Tillmann, Greenpeace-Experte für Energie in Schweden. Wir wissen, dass nukleare Energie gefährlich und teuer ist und außerdem Lösungen zum Schutz des Klimas und die Entwicklung sicherer Energiequellen behindert. Reaktoren stehen den effizienten erneuerbaren Energien im Weg.

Ein Bericht der Internationalen Energie Agentur kommt zu dem Schluss, dass selbst der Bau von tausend neuen Reaktoren weltweit, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen nur um weniger als vier Prozent verringern würde. Bis dahin würden außerdem Jahrzehnte vergehen. Das schwedische Parlament muss sich bei der Entscheidung von Vernunft leiten lassen - nicht von der Propaganda der Atomindustrie, sagt Tillmann. Der Energie [R]evolutions-Plan von Greenpeace weist den alternativen Weg: Durch den effizienten Einsatz von Erneuerbaren Energie kann der weltweit steigende Energiebedarf gedeckt werden - ohne Kernenergie. Eine moderne Wirtschaft und viele neue Arbeitsplätze wären weitere positive Effekte des Energie [R]evolutions-Plans.

Jan Beránek, Atom-Experte von Greenpeace International, erinnert an das Risiko der Atomenergienutzung: In vielen Ländern liegt die Reaktor-Technik weit hinter modernen Sicherheitsstandards zurück und die Entsorgung des gefährlichen Atommülls ist immer noch ein ungelöstes Problem.

Publikationen

Energy [r]evolution: 4 Auflage

Diese Nachfolgestudie zeigt nachvollziehbar, dass es möglich ist mit Energieeinsparungen sowie vor allem mit dem verstärkten Einsatz Erneuerbarer Energien den weltweiten Kohlendioxidausstoß bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent zu reduzieren, statt wie bisher angenommen zu halbieren.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

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