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Morddrohungen gegen Atomkraftgegnerin

Die bulgarische Atomkraftgegnerin und Greenpeacerin Albena Simeonova ist Morddrohungen ausgesetzt. Der Grund ist ihr Engagement gegen das geplante Atomkraftwerk im nordbulgarischen Belene. Greenpeace, Bankwatch und Friends of the Earth fordern die bulgarische Regierung auf, sofort Maßnahmen zu Simeonovas Schutz zu ergreifen.

Die 40-jährige Umweltschützerin, Mutter eines sechsjährigen Kindes, erhielt Ende 2004 erste anonyme Anrufe. Am 23. Februar 2005 tauchten zwei Männer auf, die ihr mit dem Tod drohten, falls sie ihren Widerstand gegen das AKW in Belene nicht aufgebe. Außerdem solle sie ihre Heimat verlassen. Simeonova sieht darin nicht nur eine ernste Bedrohung ihres eigenen Lebens. Das ist eine Drohung gegen alle, die gegen Atomanlagen arbeiten, um ihr Leben und die Umwelt in ihrer Heimat zu schützen. Aufgeben will die mutige und engagierte Frau nicht.

Simeonova ist eine der führenden Persönlichkeiten in der bulgarischen Umweltbewegung. Sie war Geschäftsführerin der Foundation for Ecological Education and Training (FEET), konnte 1993 verschiedene bulgarische Umweltgruppen zu einem Zusammenschluss bewegen und initiierte die Ökologischen Inspektorate, Bürgerfragestunden zu Umweltproblemen. 1996 wurde sie mit der weltweit wichtigsten Auszeichnung im Umweltschutz, dem Goldman-Preis, geehrt.

Dass friedlicher Protest gegen eine lebensfeindliche Technologie wie die Atomtechnik mit Todesdrohungen erstickt werden soll, ist für den Greenpeace-Atomexperten Thomas Breuer unfassbar: Nicht Albena Simeonova ist eine Gefahr für Bulgarien, sondern der geplante Atomreaktor, der auch noch in einem erdbebengefährdeten Gebiet gebaut werden soll, sagt Breuer. Es sei jetzt Sache der jungen bulgarischen Demokratie, die Menschenrechte zu gewährleisten.

Pläne zum Bau eines AKW in Belene existieren seit mehr als zehn Jahren. Anfang der Neunzigerjahre wurden sie von den bulgarischen Umweltschützer/innen gestoppt. Doch 2003 holte der staatliche Energieversorger NEK den umstrittenen Plan wieder aus der Schublade. Seit Mai 2004 ist der Bau beschlossene Sache, obwohl die Untersuchungen zu den Umweltauswirkungen des Atomreaktors noch nicht abgeschlossen sind. Um den Auftrag bewirbt sich unter anderem ein Konsortium aus Areva (Frankreich) und Siemens.

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