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Zwischenlagerung an AKW-Standorten ermöglichen

Konsequenz bei den Grünen

Greenpeace-Kletterer haben in Stuttgart gegen die Inkonsequenz der grünen Landesregierung protestiert. Sie befestigten ein 24 mal 7 Meter großes Banner an der Fassade des baden-württembergischen Landtags. Hintergrund: Als Oppositionspartei hatten die Grünen die Zwischenlagerung hochradioaktiven Atommülls an den AKW-Standorten gefordert. Heute zeigen sie dafür keinerlei Initiative mehr.

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Baden-Württembergs grüner Umweltminister Franz Untersteller hat den Vorwurf des Wortbruchs in der vergangenen Woche zurückgewiesen. Greenpeace betreibe Stimmungsmache, schreibt er in einem offenen Brief. Es sei allein Sache des Atomkraftwerksbetreibers EnBW, beim Bundesamt für Strahlenschutz den erforderlichen Antrag auf eine sogenannte Erweiterungsgenehmigung für das Zwischenlager Philippsburg zu stellen. Ganz so einfach ist es allerdings nicht.

Baden-Württembergs Landesregierung: Großaktionär bei EnBW

Die grün-geführte Landesregierung hält mit 46,55 Prozent das größte Aktienpaket der EnBW - ein Erbe, das sie vom früheren Landeschef Stefan Mappus übernommen hat. Damit könnte sie erheblichen Einfluss geltend machen. Nehmen Sie die EnBW endlich in die Verantwortung, fordert Tobias Münchmeyer, Atomexperte bei Greenpeace. Rufen Sie die EnBW dazu auf, einen Antrag zu stellen und die noch zu erwartenden Castoren in Philippsburg zwischenzulagern.

Die EnBW hat mehr als 1.000 Tonnen hochradioaktiven Atommüll in die Plutoniumfabrik La Hague (Frankreich) geschickt: abgebrannte Brennelemente aus den AKW Philippsburg, Neckarwestheim und Obrigheim. Das entspricht ungefähr 110 Castoren.

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Die bereits aus Frankreich zurücktransportierten hochradioaktiven Abfälle lagern nun im niedersächsischen Zwischenlager Gorleben. Sie wären am AKW Philippsburg jedoch sicherer untergebracht als in der Lagerhalle im niedersächsischen Wendland, die in der Region auch Kartoffelscheune genannt wird. Dass die Zwischenlagerung am AKW sicherer ist, belegt eine Studie, die Greenpeace erst kürzlich vorgestellt hat.

Die Not mit dem Atommüll

In Deutschland wird seit Jahrzehnten hochradioaktiver Müll produziert, obwohl es kein Endlager dafür gibt. Bis 2005 wurden die abgebrannten Brennelemente nach La Hague (Frankreich) und Sellafield (Großbritannien) transportiert, um dort wiederaufgearbeitet zu werden. Seit die Verträge endeten, bleiben die Brennstäbe in den eigens eingerichteten AKW-Zwischenlagern.

Für den hochstrahlenden älteren Müll aus der Wiederaufarbeitung aber ist Gorleben das einzige genehmigte Lager. In Castoren verpackt kommt der Müll zurück und wird in der Kartoffelscheune zwischengelagert. Für Ende November ist der letzte dieser Transporte mit hochradioaktivem Abfall aus La Hague angekündigt: elf Castoren, 1.500 Kilometer Fahrt quer durch Frankreich und Deutschland. 2014 starten die Transporte aus Sellafield.

Möglicher Einlagerungsstopp in Gorleben öffnet Weg für das Zwischenlager Philippsburg

Nach Ansicht von Greenpeace müsste der diesjährige Castortransport abgesagt werden. Erst gestern hat Greenpeace belegt, dass der zulässige Strahlengrenzwert bis Jahresende überschritten werden könnte. Die Strahlenmesswerte bilden die Entscheidungsgrundlage für die weitere Einlagerung von Castoren in Gorleben. Die Entscheidung des niedersächsischen Umweltministeriums ist für Ende Oktober angekündigt.

Mitmachen: Auch Sie können gegen den Castortransport nach Gorleben protestieren: Zeigen Sie Ihre Meinung - mit einem leuchtenden X. Auf GreenAction, unserer Kampagnencommunity, sind schon ein paar Fotos hochgeladen. Dort finden Sie auch Infos zur Demo am 26. November.

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