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Größter Castor-Transport unterwegs

Begleitet vom Greenpeace-Protest sind am Montagabend zwölf Castor-Behälter auf ihrem Weg aus der Plutoniumfabrik La Hague/Normandie in das Zwischenlager Gorleben/Niedersachsen gestartet. Im Schutz eines massiven Polizeiaufgebots verließ der Zug den französischen Bahnhof Valognes. Die zwölf Behälter mit ihren rund 130 Tonnen hochradioaktivem Atommüll bilden den größten Transport, der jemals nach Gorleben gefahren wurde.

Greenpeace-Energieexperte Mathias Edler kritisiert: Das Atommüll-Karussel zwischen Deutschland und Frankreich läuft auch unter Rot-Grün auf vollen Touren. Jede Tonne deutscher Atommüll, die nach La Hague geht, verseucht bei der Wiederaufarbeitung Ärmelkanal und Nordsee. Jeder Castorbehälter, der im Zwischenlager eintrifft, verstärkt den Sachzwang, Gorleben doch noch zum Endlager zu machen. Damit muss endlich Schluss sein.

In Dannenberg fand an diesem Montagabend eine Kundgebung statt, auf der ein Manifest prominenter Schauspieler verlesen wurde: Wenn die Politik nicht weiter weiß, schickt sie die Polizei, heißt es in der Erklärung von Götz George, Hannelore Elsner, Detlev Buck, Leander Haußmann und anderen Künstlern. Ein Pfarrer sinnierte angesichts der Uneinsichtigkeit der Politik in Anlehnung an Bonhoeffer über strukturelle Dummheit, der noch viel schwieriger beizukommen sei als simpler Bosheit.

Das national wie weltweit ungelöste Problem der Atommüll-Endlagerung wird von der Bundesregierung kurzerhand zum Problem einer Region erklärt und dorthin abgeschoben. Den Menschen im Wendland wird ein Problem aufgehalst, das nicht das ihre ist, sondern das Ergebnis einer Jahrzehnte langen kurzsichtigen und verantwortungslosen Atompolitik.

Die eigentlich Verantwortlichen und Profiteure dieser Politik, die Atomkraftwerke betreibenden Energieversorgungsunternehmen E.ON, RWE oder EnBW bleiben in diesen Tagen völlig im Dunkeln. Die Politik hat sich jahrzehntelang vor deren Karren spannen lassen und lässt jetzt wegen eigener Sprachlosigkeit die Polizei die Suppe auslöffeln.

Am Montagmorgen war die Allgemeinverfügung der Bezirksregierung vom Gericht in Lüneburg bestätigt worden: im Umkreis von 500 Metern um den Verladebahnhof und 50 Meter beidseits der Transportstrecke ist der Aufenthalt verboten. Die Demonstranten nehmen die Verbote gelassen und reagieren mit einer Karnevalsveranstaltung. Unter dem Motto De Zoch kütt marschierten sie in Masken und Kostümen vor dem Bahnhof in Dannenberg auf und ließen Stroh und Federn auf ihre zahlreichen unfreiwilligen Zuschauer in Uniform niederprasseln.

In Dannenberg am Verladebahnhof, steht sich die Polizei fast schon selbst im Weg - das Gelände ist dicht gefüllt mit Einsatzfahrzeugen , die hin und herfahren und Mannschaften, Passanten kontrollieren. Auf dem Bahnhof, der wie die gesamte Transportstrecke seit Tagen hell erleuchtet ist, stehen bereits die zwölf Hüllen für die Castor-Behälter auf Tiefladern bereit, in denen der Atommüll auf der Landstraße nach Gorleben gebracht werden soll. Davor auf einer eigens errichteten Tribüne und im weißen Haus an den Gleisen haben Fernsehteams sich die besten Plätze gesichert. Sie werden das ab Mittwoch Nacht erwartete Umladen der Castoren von der Schiene auf die Tieflader von ihrem Logenplatz aus in die deutschen Wohnzimmer übertragen.

Der Castor-Transport wird voraussichtlich im Laufe des Dienstagnachmittags die deutsch-französische Grenze erreichen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch soll der Zug Deutschland durchqueren. Mittwoch werden die Castoren auf dem Bahnhof Dannenberg im Wendland von der Bahn auf Straßentransporter umgeladen und anschließend zum Zwischenlager Gorleben gefahren. Da erstmals zwölf Behälter umgeschlagen werden müssen, kann sich das Verladen bis Donnerstag hinziehen.

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