Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Greenpeace-Aktivisten ketten sich auf Castor-Strecke fest

Montag 16:30 Uhr: Die Atommüllbehälter für Gorleben sind im Verladebahnhof Dannenberg auf Tieflader umgesetzt worden. Der Weitertransport verzögert sich jedoch wegen der anhaltenden Proteste. Am Vormittag hatten sich zwölf Greenpeace-Aktivisten vor der Ausfahrt des Verladekrans an einen Sattelschlepper gekettet. Sie forderten die Bundesregierung auf, Gorleben als Endlagerstandort für Atommüll aufzugeben.

  • /

Gorleben ist als Endlager ungeeignet. Dem Salzstock fehlt eine durchgehende Deckschicht. Er hat Kontakt zum Grundwasser. Dennoch hält Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Gorleben fest. Greenpeace fordert dagegen eine neue ergebnisoffene Standortsuche.

Obwohl bekannt ist, dass der Salzstock in Gorleben nicht als Endlager geeignet ist, wird in unverantwortlicher Weise immer mehr Atommüll dorthin gebracht, sagt Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace. Der starke Widerstand im Wendland und das Asse-Debakel sollten die CDU endlich erkennen lassen, dass ihre starrköpfige Endlagerpolitik gescheitert ist.

Wie unsicher die Lagerung von Atommüll in Salzstöcken ist, zeigt sich jetzt im Salzstock Asse II. Das Bergwerk hatte keine Genehmigung als Endlager. Trotzdem sind hier etwa 126.000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll eingelagert worden. Heute ist Gefahrenabwehr geboten: Asse II muss wegen unkontrollierter Laugenzuflüsse stabilisiert werden. Was mit dem Atommüll passieren soll, ist nicht entschieden. Der Skandal beschäftigt seit mehreren Monaten die Republik.

Der in den Salzstock Asse II abgekippte Atommüll gefährdet nun das Grundwasser der Region, so Breuer. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel trotzdem den Salzstock in Gorleben als Endlager für hochradioaktiven Müll fordert, ist unverantwortlich.

Trotz der ungelösten Endlagerfrage wird weiter Atommüll produziert. Der strahlende Müllberg wächst jährlich um etwa 400 Tonnen. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, die Atommüllmenge durch einen schnelleren Atomausstieg zu begrenzen und den Standort Gorleben als Atommülllager aufzugeben.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report 2020

Die Strahlungsmessungen in der Region Fukushima aus dem Herbst 2019 zeigen: Unwetter wie der Taifun Hagibis führen zum Auftreten neuer radioaktiver Hotspots. Auch in den Gebieten, in denen im Sommer 2020 die Olympiade stattfinden soll.

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

Kinder und die Dekontaminierungsarbeiter leiden besonders unter der radioaktiven Strahlung in Fukushima. Sie ist auch acht Jahre nach dem Atomunfall in Japan noch viel zu hoch.

Mehr zum Thema

Beim Ausstieg geschlampt

Der finanzielle Ausgleich für die Betreiber von Atomkraftwerken muss neu geregelt werden. Das ist im Sinne Vattenfalls und peinlich für die Bundesregierung.

Lösung für immer gesucht

Der Zwischenbericht zur Suche eines Endlagers für Atommüll schlägt 90 Regionen zur weiteren Erforschung vor. Gorleben ist nicht darunter. Interview mit Atomexperte Heinz Smital.

Gorleben ist Geschichte!

Ein Wunder ist geschehen: Das Endlager Gorleben ist vom Tisch. Weil der Salzstock kein sicherer Platz für Atommüll ist. Persönliche Betrachtung eines unglaublichen Erfolgs.