Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Französisch-Finnisches Atomdesaster

Greenpeace-Aktivisten von Bord der Arctic Sunrise haben am Mittwoch morgen gegen den Bau des Druckwasserreaktors (EPR) in Olkuluoto, Finnland protestiert. Mit Schlauchbooten gelang es ihnen, das Baugelände des Reaktors zu erreichen. Der Bau des Reaktors ist nach nur 16 Monaten Bauzeit bereits anderthalb Jahre hinter seinem Zeitplan - und mehr als 700 Millionen teurer als geplant.

  • /

Es gab Probleme mit der Herstellung aller für die Sicherheit elementaren Bauteile der Anlage: Dem Druckbehälter, den Rohren des Primärkreislaufs, dem Druckerzeuger und Dampfgenerator. Alle müssen erneuert werden, sagt die finnische Atomexpertin von Greenpeace, Lauri Myllyvirta. Insgesamt fanden die finnischen Sicherheitsbehörden bereits mehr als 700 Fehler seit Baubeginn im Sommer 2005.

All diese Probleme sollten die Alarmglocken in Frankreich schrillen lassen, meint der französische Atomexperte Frederic Marillier an Bord der Arctic Sunrise. In Flamanville, im Norden Frankreichs, soll die Herstellerfirma Areva ab Ende 2007 ebenfalls einen EPR errichten. Jeder Franzose sollte sich bewusst machen, dass die Probleme in Finnland von Areva verursacht wurden. Deren Hauptaugenmerk richtet sich darauf, Kosten zu minimieren, nicht Sicherheit zu maximieren.

Die Reaktorgeneration vom Typ EPR birgt aber noch weitere Gefahren. Einmal in Betrieb sind auch sie gegen Flugzeugabstürze nicht gefeit. Das belegt eine Studie des britischen Atomwissenschaftlers John Large. Die Studie befasst sich mit den Folgen eines möglichen Terrorangriffs durch ein entführtes Passagierflugzeug, das auf die Reaktorkuppel stürzt.

Dabei greift Large auch auf einen geheimen Report des französischen Stromkonzerns EdF aus dem Jahr 2003 zurück, der die Sicherheit der EPR-Reaktioren beurteilte. Aus dem französischen Report geht hervor, dass der geplante neue Europäische Druckwasserreaktor EPR bei Terrorismusattacken per Flugzeug nicht sicher ist. Dennoch wird der EPR als die Zukunft der Atomkraft gepriesen.

Die Kosten und Verzögerungen in Finnland demonstrieren, dass die Atomenergie keinesfalls als Alternative zur Energieerzeugung geeignet ist, um den CO2-Ausstoß zu verringern und dem Klimawandel zu begegnen. Greenpeace hat bereits im Januar einen Masterplan für die weltweite Energieerzeugung mit Erneuerbaren Energien vorgelegt und im März ein Szenario für Deutschland nachgereicht. Beide belegen, dass der Klimawandel vermieden werden kann, bei gleichzeitigem Verzicht auf die schlimmsten CO2-Schleudern und Atomkraft.

Solaranlagen und Windräder sind kein Ziel für Terrorangriffe. Deshalb fordern wir den Ausstieg aus dieser Risikotechnologie. Wir setzen auf die Sonne!

Publikationen

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report 2020

Die Strahlungsmessungen in der Region Fukushima aus dem Herbst 2019 zeigen: Unwetter wie der Taifun Hagibis führen zum Auftreten neuer radioaktiver Hotspots. Auch in den Gebieten, in denen im Sommer 2020 die Olympiade stattfinden soll.

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

Kinder und die Dekontaminierungsarbeiter leiden besonders unter der radioaktiven Strahlung in Fukushima. Sie ist auch acht Jahre nach dem Atomunfall in Japan noch viel zu hoch.

Mehr zum Thema

Gefährliches Gestern

Die Katastrophe von Tschernobyl rückt in die Vergangenheit, ihre Folgen verschwinden aber nicht aus der Gegenwart. Sie sind eine Mahnung – auch an Atomkraftbefürworter:innen.

Der ewige Denkzettel

Die Katastrophe ist nicht vorbei: Auch zehn Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima leiden japanische Bürger:innen unter den Folgen – während die Regierung Normalität vorgaukelt.

Katastrophal nachgebessert

Eine Novelle des Atomgesetzes, die berechtigte Klagen unterbände, hätte fatale Auswirkungen – nicht nur für die Anwohnerinnen von Atomanlagen, sondern auch für den Rechtsstaat.