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Explosion in französischer Atomanlage

In der Atomanlage Marcoule in Südfrankreich ist es am 12. September zu einer Explosion gekommen. Ein Mensch ist laut französischer Atomaufsicht (ASN) ums Leben gekommen, vier weitere seien verletzt. Radioaktivität soll nicht ausgetreten sein, doch auch dieser Vorfall zeigt, wie wenig die Atomkraft beherrschbar ist.

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Wie es zur Explosion in einem Verbrennungsofen für schwach radioaktive Abfälle kam, ist noch unklar. Auf dem Gelände der Anlage 30 Kilometer nördlich von Avignon befinden sich auch drei in den Fünfzigerjahren gebaute Reaktoren, die aber alle stillgelegt sind. Heute werden in der von der EDF-Tochter SOCODEI betriebenen Anlage abgebrannte Brennstäbe aufgearbeitet und radioaktive Abfälle zwischengelagert. Sie ist zudem eine wichtige Produktionsstätte für das Uran-Plutonium-Gemisch Mox, das aus abgebrannten Uran-Brennstäben hergestellt wird.

Die Behörden in Frankreich melden, dass bei dem Unfall keine Radioaktivität freigesetzt worden sein soll. Laut dpa heißt es, dass das Gebäude, in dem sich der Ofen befindet, nicht beschädigt sein soll und auch die Lüftung weiterhin funktioniere. Die betroffenen Menschen seien durch die Explosion verletzt und nicht verstrahlt worden. Die Behörden richteten aber dennoch eine Sicherheitszone ein.

Zur Unglücksursache und zu den Folgen gibt es bislang widersprüchliche Informationen, erklärt Christoph von Lieven, Atomexperte bei Greenpeace. Die französischen Behörden müssen Informationen über die Ursache und über mögliche Gefahren für Mensch und Umwelt in der Region vollständig und zeitnah weitergeben. Zudem müssen alle Maßnahmen getroffen werden, um Anwohner und die in Marcoule Beschäftigten vorsorgend und umfassend zu schützen.

Einmal mehr wird deutlich, Atomkraft ist eine nicht beherrschbare Technologie: von der Urangewinnung, über die Brennelementeherstellung bis hin zur Lagerung radioaktiver Abfälle. Auch in Frankreich erkennen dies immer mehr Menschen und dass die Zukunft in den Erneuerbaren Energien liegen muss. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen des Todesopfers und der verletzten Menschen.

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