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Stimmen aus Japan, Folge 6 (Schluss)

Ein Jahr Fukushima: Stimmen aus Japan, Folge 6

Noch gehen nur wenige Menschen in Japan gegen die Atomkraft auf die Straße, doch viele sind empört über die Energiepolitik ihres Landes. Vito Avantario und Enno Kapitza (Fotos) haben einige für das Greenpeace Magazin gefragt: Wie hat die Jahrhundertkatastrophe das Land verändert? (Aus dem Greenpeace Magazin 2/2012)

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Am 11. März 2011 wird Japan vom stärksten Erdbeben seiner Geschichte erschüttert. Mit dem Beben und dem verheerenden Tsunami wird ein drittes Horrorszenario wahr - das AKW Fukushima Daiichi gerät außer Kontrolle. Millionen Menschen weltweit bangen mit den Menschen in Japan. Die Folgen der Katastrophe erschüttern das Land auch heute noch.

Stimmen aus Japan:

Eisuke Tachikawa (31), Designer

Der Besitzer einer Werbe- und Designagentur in Tokio ist Gründer der Internetseite www.olive-for.us. Dort sammelt er auch Informationen darüber, wie Opfer der Atomkatastrophe sich gegen radioaktive Strahlung schätzen können.

Auf japanische Medien war nach der Katastrophe kein Verlass. Niemand wusste, wie schwer die Schäden im Atomkraftwerk Daiichi waren und wie viel Radioaktivität ausgetreten ist. Deshalb informierten wir uns über internationale Medien, Umwelt- und Hilfsorganisationen, was die Menschen in Fukushima benötigen. 40 Stunden nach dem Beben hatten wir unsere Seite fertig. Wo liegen die Evakuierungszentren? Ab welcher Dosis ist radioaktive Strahlung gefährlich? Wie funktionieren Geigerzähler? Wie dekontaminiert man Kleidung? Bis Ende März hatte unsere Seite über eine Million Klicks. Auch heute noch suchen Menschen aus der Region Fukushima Rat bei uns.

Iida Tetsunari (53), Energieexperte und politischer Berater

Der Nuklearwissenschaftler und Experte für erneuerbare Energien war Mitglied des Komitees für Klimawandel im japanischen Umweltministerium und leitet heute das Institute for Sustainable Energy Policies (IESP) in Tokio. Er gilt als einer der angesehensten Energieexperten Japans.

Japan ist weit vom Atomausstieg entfernt: Es gibt kein Erneuerbare-Energien-Gesetz wie in Deutschland, das die Einspeisung von Strom aus regenerativen Quellen ins Netz bevorzugt. Japan hat eine starke Fischereilobby, die Offshore- Windparks verhindern will, weil sie befürchtet, dass durch sie die Gewinne der Fischer sinken. Wirtschaftsverbände meinen, Atomkraft sei der Motor für den Erfolg einer Industrienation wie Japan. Großbanken drohen damit, Unternehmen Kredite zu verweigern, wenn die Politik den Ausstieg aus der Atomkraft beschließt. Die Geldhäuser wollen nicht riskieren, ihr Geld in Unternehmen zu versenken, die global nicht wettbewerbsfähig sind.

Derzeit laufen nur noch 3 der 54 japanischen Atomkraftwerke. Spätestens im Hochsommer aber, wenn die Temperaturen auf bis zu 35 Grad steigen und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent den Alltag der Menschen erschwert, wird das Land seine Millionen Klimaanlagen anwerfen. Dann werden viele der abgeschalteten Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen, sagt Tetsunari.

Den vollständigen Artikel finden Sie im Greenpeace Magazin 2.2012.

Folge 1

Folge 2

Folge 3

Folge 4

Folge 5

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

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