Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

EdF-Spionage gegen Greenpeace schlägt Wellen in Großbritannien

Im Spionageskandal Electricité de France (EdF) gegen Greenpeace kommen immer neue Informationen zutage. Die britische Sunday Times berichtete am Sonntag, der französische Energiekonzern habe Privatdetektive angeheuert und sogar den britischen Geheimdienst MI5 kontaktiert, um an Informationen über Greenpeace Großbritannien heranzukommen.

  • /

Die Sunday Times konnte nach eigener Aussage Einblick in vertrauliche gerichtliche Dokumente nehmen. Aus diesen gehe hervor, wie bestellte Hacker dem Konzern Zugang zu Dateien und E-Mailkorrespondenz verschafften, die von Greenpeace Großbritannien ins internationale Greenpeace-Netz weitergeleitet wurden. CDs, die in einem Safe des EdF-Hauptquartiers lagerten, enthielten unter anderem Informationen über Greenpeace-Jahresplanungen 2006 und 2007.

Das skandalöse Vorgehen des französischen Staatskonzerns hat offenbar auch in britischen Politikerkreisen Empörung ausgelöst. Ein Sprecher der Liberalen Demokraten hat laut Sunday Times eine parlamentarische Fragestunde angekündigt. Er wolle klären, ob britische Sicherheitsdienste mit EdF oder der französischen Regierung Informationen über Umweltorganisationen ausgetauscht hätten.

Der staatlich kontrollierte Atomstromkonzern EdF betreibt auf aggressive Weise eine Renaissance der Atomkraft. 2008 kaufte er den Energieversorger British Energy (BE) auf und ist nun der größte Stromerzeuger der Insel. Die alten Atomkraftwerke von BE sollen in den kommenden Jahren durch neue ersetzt werden. Geplant sind vier neue Reaktoren des Typs EPR (Europäischer Druckwasserreaktor).

Greenpeace gehört zu den schärfsten Kritikern der Atomkraft und der EdF-Unternehmenspolitik. Daraus leitet der Konzern offensichtlich das Recht zu illegalen Maßnahmen ab - ein besorgniserregend undemokratisches Verhalten.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Mehr zum Thema

Es ist zwei vor Zwölf

Die UN wollen Atomwaffen verbieten, der Vertrag wird gerade ratifiziert. Nur: die Atommächte machen nicht mit. Ein Interview mit Greenpeace-Experte Heinz Smital und Alexander Lurz.

Sicherheit ist gutes Recht

Frankreichs AKW haben ernste Sicherheitsmängel; darauf machten Greenpeace-Aktivisten mit friedlichem Protest aufmerksam. Ein AKW-Betreiber zog vor Gericht – mit mäßigem Erfolg.

Schlechter Gewinner

Frankreichs Präsident Macron wird für seine Vision Europas mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Doch sein Beharren auf Atomkraft verdient keine Würdigung, sagen Greenpeace-Aktivisten.