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Castor-Transporte ohne Sinn und Verstand

Greenpeace hat am Freitag in Leipzig eine Protestaktion gegen einen geplanten Atommüll-Transport von Rossendorf bei Dresden ins westfälische Ahaus gestartet. Mit einer sieben Meter langen Castor-Attrappe geht es von Leipzig aus zwei Wochen lang durch Sachsen. Die echten Castoren werden voraussichtlich ab Ende Mai quer durch die Republik rollen.

Auf dem Augustusplatz in Leipzig haben die Greenpeace-Aktivisten ein Banner entrollt: Gefährlich, unnötig, sinnlos - Atommüll auf Deutschlandtour! 150 gelbe Holzkreuze stehen bereit, auf denen Bürger mit ihrer Unterschrift ihren Protest ausdrücken können. Später sollen die Kreuze entlang der Transportstrecke aufgestellt werden. Bei der Tour durch Sachsen wird Greenpeace über die Risiken des bevorstehenden Atomtransportes informieren.

Die 18 Behälter mit 951 Brennelementen russischer Bauart sollen auf der Straße nach Ahaus transportiert werden. Sie stammen aus dem ehemaligen DDR-Forschungsreaktor in Rossendorf. Sachsen will sich der Verantwortung für seine radioaktiven Hinterlassenschaften nicht stellen. Stattdessen wird das Problem nach Ahaus ins Zwischenlager verschoben.

Der Atommüll wird hin und her verschoben obwohl niemand eine Lösung für das Atommüllproblem hat, so Patric Salize von der Greenpeace-Gruppe in Chemnitz. Diese Transporte sind auch deswegen so sinnlos, weil der Atommüll in Rossendorf genauso sicher beziehungsweise unsicher ist wie in Ahaus - die Bevölkerung entlang der Transportstrecke wird völlig unnötig gefährdet.

Der Reaktor in Rossendorf wurde 1957 in Betrieb genommen. 1993 beschloss die sächsische Regierung die Stilllegung und den Transport der Brennelemente nach Ahaus. Für Material aus Forschungsreaktoren gibt es noch nicht einmal ein Konzept für die Endlagerung.

Die aus Uran bestehenden Brennelemente lagerten zunächst in einem Wasserbecken. Vor etwa 15 Jahren wurden sie in Behälter zur trockenen Zwischenlagerung umgelagert. Bis heute gibt es kein Endlager für hochradioaktiven Müll. Deshalb dauert die Zwischenlagerung länger als ursprünglich gedacht.

Das Prinzip der Zwischenlagerung ist für Brennelemente aus Atomkraftwerken und Forschungsreaktoren das gleiche. Der Atommüll wird in Castor-Behälter verpackt, das soll Schutz genug sein. Da die Forschungselemente kleiner sind als die aus Atomkraftwerken, werden kleinere Behälter benutzt, die so genannten Castoren MTR2.

Ob die Castoren nach einem Unfall tatsächlich dicht halten, ist nicht bekannt. Denn mit dem MTR2 wurden keine entsprechenden Tests durchgeführt. Die 600 Kilometer lange Straßenstrecke bietet zahlreiche Unfallgefahren. Hochradioaktives Material wird quasi auf einem Silbertablett durchs Land gefahren. Mit den unsinnigen Transporten muss Schluss sein. Die Bundesregierung muss endlich ein schlüssiges Entsorgungskonzept vorlegen.

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