Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Bürger glauben nicht, dass Atomkraft den Strompreis senkt

Niedrigere Strompreise gehören zu den Ködern, mit denen die Atomlobby uns den Atomstrom schmackhaft machen will. Dass die List nicht verfängt, zeigt eine Umfrage, die Emnid im Auftrag von Greenpeace durchgeführt hat. 74 Prozent der Bundesbürger gehen demnach davon aus, dass eine Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke den Strompreis nicht senken würde. Selbst 68 Prozent der CDU/CSU-Wähler versprechen sich keine Vorteile für die eigene Stromrechnung.

  • /

Äußerst vorteilhaft wäre eine Laufzeitverlängerung nur für die Stromproduzenten selber. Eine Betriebsverlängerung alter Atomkraftwerke würde den Energiekonzernen pro Tag und Kraftwerk etwa eine Million Euro bescheren, sagt Atomexperte Heinz Smital von Greenpeace. Nicht einmal CDU/CSU-Wähler, die als Befürworter der Atomkraft gelten, scheinen daran zu glauben, dass auch Stromverbraucher von diesem Gewinn profitieren könnten.

Auch die Wähler der anderen Parteien rechnen mehrheitlich nicht mit günstigem Atomstrom durch längere Laufzeiten. Laut Emnid betrifft das: 81 Prozent der SPD-Wähler, 84 Prozent von Bündnis 90/Die Grünen, 72 Prozent der FDP-Wähler und 86 Prozent der Linken.

Nach Wahl-Präferenz hat Emnid auch die Einschätzung ermittelt, ob durch den Atomausstieg die Stromversorgung in Deutschland gefährdet sei. Das Ergebnis: 65 Prozent der 1.000 Befragten glauben nicht, dass durch das Abschalten der Atomkraftwerke ein Versorgungsengpass entstehen könnte. Selbst 54 Prozent der CDU/CSU-Wähler gehen nicht davon aus, dass durch den Atomausstieg eine Stromlücke verursacht würde.

Unter Druck geratene Atomstromkonzerne und ihre politischen Steigbügelhalter wollen die Angst der Bundesbürger vor Energieengpässen schüren, sagt Smital. Doch es gibt keinen Grund für Verunsicherungen: Der Atomausstieg wird weder zu höheren Strompreisen noch zum Stromnotstand führen.

Die Bundesregierung hat bereits im vergangenen Jahr in einem Gutachten erklärt, dass die Stromversorgung in Deutschland trotz des Atomausstiegsgesetzes sichergestellt sei. Eine vor wenigen Wochen veröffentlichte Studie des Bundesumweltministeriums gibt zudem zu bedenken, dass eine Laufzeitverlängerung zur Erhöhung der Strompreise führen und Innovationen für Erneuerbare Energien bremsen könnte.

Greenpeace fordert, die ältesten und unsichersten Atomreaktoren in Deutschland sofort abzuschalten und bis 2015 vollständig aus der Atomkraft auszusteigen.

 

 

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

Kinder und die Dekontaminierungsarbeiter leiden besonders unter der radioaktiven Strahlung in Fukushima. Sie ist auch acht Jahre nach dem Atomunfall in Japan noch viel zu hoch.

Mehr zum Thema

Atommüll beim Namen nennen

Uranhexafluorid ist ein Abfallprodukt der Urananreicherung – und bei genauer Betrachtung Atommüll. Warum gehen dann wieder unrechtmäßig Transporte von Deutschland ins Ausland?

Abschaffen statt Modernisieren

Der kalte Krieg ist vorbei, doch in Deutschland sind immer noch 20 US-Atombomben stationiert. Im Kriegsfall würden Deutsche sie fliegen. Das Arsenal soll nun modernisiert werden.

Wahnsinn bewiesen

Die Region um das AKW Fukushima ist immer noch hoch verstrahlt, allen Säuberungsaktionen zum Trotz, so der aktuelle Greenpeace-Bericht. Im Fokus: das Leid der Aufräumarbeiter.