Atomkraftwerke: abschalten, Laufzeiten nicht verlängern!

Die Diskussion über die Laufzeitverlängerung steht bei vielen Politikern wieder ganz weit oben auf der Agenda. Doch auch sieben Jahre nach dem Beschluss zum Atomausstieg hat sich an der Bewertung der Atomenergie nichts verändert. Sie bleibt die riskanteste Form der Energieerzeugungund wird auch für den Klimaschutz nicht gebraucht. Zudem ist sie weder billig noch führt sie zu sinkenden Strompreisen.
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Atomkraft bleibt lebensgefährlich

Atomkraft bleibt die gefährlichste Form der Energieerzeugung. Auch heute kann die Atomindustrie das Risiko eines Super-GAU`s wie 1986 in Tschernobyl nicht ausschließen. Jeden Tag kommt es in Atomkraftwerken und Atomanlagen weltweit zu Fehlfunktionen und Unfällen.

Ob Materialversagen, technische Defekte oder menschliches Versagen - schon vermeintlich kleine Fehler können in AKWs Katastrophen verursachen. Allein in Deutschland gibt es jedes Jahr weit über 100 meldepflichtige Ereignisse. Seit dem 11. September 2001 ist auch die Gefahr eines terroristischen Anschlags auf ein Atomkraft näher gerückt. Und kein ein einziges der weltweit 439 AKW ist z.B. wirksam gegen den Absturz einer Verkehrsmaschine geschützt.

Endlagerfrage weltweit ungelöst

Auch über 50 Jahre nach Inbetriebnahme des ersten AKWs gibt es weltweit kein einziges sicheres Endlager für die Entsorgung hoch radioaktiver Abfälle. Für eine Million Jahre muss der hoch gefährlicher Müll sicher von der Biosphäre abgeschlossen sein - eine unverantwortbare Hypothek für kommende Generationen.

Die als vorbildlich und sicher bezeichneten Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Morsleben und Asse II zerfallen, haben Wassereinbrüche und zeigen die Fehleinschätzung und Probleme bei der Endlagerung.

Atomkraft ist keine Lösung für`s Klima

Die gleichen Vertreter, die ungeniert neue klimaschädliche Kohlekraftwerke bauen wollen, haben Klimaschutz plötzlich als Argument für die Atomenergie entdeckt. Doch sie ist für den Klimaschutz verzichtbar. Im Gegenteil gilt: Atomkraft erweist sich als Hindernis für wirksamen Klimaschutz.

Einige Fakten dazu:

  • Allein die konsequente Nutzung der energieeffizientesten Technologien könnte in Deutschland in den nächsten zehn Jahren mehr Emissionen einsparen als alle Atomkraftwerke zusammen (160 Mio. Tonnen CO2).
  • Atomenergie ist nicht CO2-frei; die Emissionen schwanken je nach Herkunft des Urans zwischen 30 bis 126 Gramm CO2 pro Kilowattstunde (kWh). Moderne Gaskraftwerke mit Wärmeauskoppelung liegen bei 119 Gramm pro kWh.
  • Weltweit haben die 439 Atomkraftwerke einen Anteil von lediglich zwei bis drei Prozent an der weltweiten Energieversorgung (Endenergie).
  • Für einen substanziellen Beitrag zum Klimaschutz müssten nach Ansicht der Internationalen Energie Agentur (IEA) bis 2050 zusätzlich etwa 1.300 Atomkraftwerke (jedes Jahr 32 AKW) gebaut werden. Das ist in vielerlei Hinsicht utopisch , und wäre angesichts der Risiken auch völlig unverantwortlich.
  • Jede Investition in die Atomenergie, ob Laufzeitverlängerung oder Neubau, blockiert saubere Klimaschutztechnologien. Denn jeder Euro für Atomkraft steht nicht für den Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Kraft-Wärme-Kopplung und der Steigerung der Endenergieeffizienz zur Verfügung. Konzerne wie E.ON, Vattenfall oder RWE haben, gemessen an ihren Gewinnen, bislang fast überhaupt nichts in Erneuerbare Energien investiert.

Atomkraft ist alles andere als billig

Atomstrom ist nur dann billig, wenn es zahlreiche staatliche Zuwendungen und Garantien gibt, die AKW abgeschrieben sind und externe Kosten für Umwelt und Gesundheit vom Steuerzahler getragen werden.

In liberalisierten Strommärkten rechnen sich neue AKW nicht mehr, bzw. nur dann, wenn der Staat den Betreibern weiterhin massiv unter die Arme greift. Der Bau eines AKW ist immerhin fünfmal so teuer wie der Bau eines vergleichbaren Gaskraftwerkes - so er denn im vorgegebenen Rahmen bleibt. Im finnischen Olkiluoto sind die projektierten Kosten bereits jetzt über 1,5 Milliarden Euro überschritten.

Der Strompreis an der Leipziger Strombörse wird auch nicht anhand der billigsten, sondern anhand der teuersten Kraftwerke gebildet. Dies sind meist fossile Mittellastkraftwerke (Kohle, Gas). Sogenannter billiger Atomstrom entlastet damit nicht den Verbraucher, sondern füllt allein die Kassen der Atomkonzerne.

Dies gilt übrigens auch für Laufzeitverlängerung: während die Privathaushalte von Laufzeitverlängerungen der AKW im Umfang von zwölf bis 50 Cent im Monat profitieren könnten, würden bis zu 10 Milliarden Euro jährlich in die Kassen der Energiekonzerne gespült. Natürlich auf Kosten der Sicherheit von uns allen.

Wer wirklich was gegen steigende Strompreise machen will, muss für mehr Wettbewerb im deutschen Strommarkt sorgen. Bis heute ist das deutsche Stromgeschäft zu über 80 Prozent in der Hand von nur vier Konzernen und ein Wechsel zu anderen Stromanbietern steht jedem frei.(www.atomausstieg-selber-machen.de)

Atomkraft auf dem Rückzug

Auch wenn in einzelnen Ländern wie Frankreich und Finnland einzelne neue AKW gebaut werden und wie in Großbritannien, Italien oder Polen über den Neubau von AKW nachgedacht wird: Atomkraft verliert im weltweiten Maßstab an Bedeutung.

Das liegt am hohen Alter der bestehenden AKW von durchschnittlich 23 Jahren. Das Durchschnittsalter der bisher vom Netz gegangenen 117 Atomkraftwerke betrug 22 Jahre. Die Laufzeit der Kraftwerke ist nur auf dem Papier beliebig verlängerbar. Bis 2015 werden voraussichtlich 90 AKW vom Netz gehen, bis 2025 sogar bis zu 192 weitere. Der Anteil der Atomkraft wird somit tendenziell abnehmen. Gebaut werden derzeit weltweit auch nur 35 AKW. Davon sind viele Projekte seit über 20 Jahren Bauruinen.

Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke: Nein danke!

Laufzeitverlängerungen von AKW nützen allein den Stromkonzernen. Sie festigen damit ihre Marktposition und können so weiterhin die Preise bestimmen. Gefüllt werden durch Laufzeitverlängerungen allein die Kassen von E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW, während bei den Verbrauchern keine spürbaren Entlastungen ankommen.

Die Verlängerung der Laufzeiten von den ältesten und somit sehr störanfällugen AKW wie z.B. Biblis und Brunsbüttel erhöhen zudem die Risiken für Mensch und Umwelt. Und Laufzeitverlängerungen sind auch für den Klimaschutz verzichtbar.

Je früher wir die Potenziale der Endenergieeffizienz, Erneuerbarer Energien oder der Kraft-Wärme-Kopplung nutzen, um so einfacher und kostengünstiger wird es möglich sein, langfristige Klimaschutzziele zu erreichen.

Chance Atomausstieg (Kurzfassung)

Die vorliegende Studie untersucht die Folgen eines Atomausstiegs innerhalb von fünf Jahren. Im Ausstiegsszenario, das mit einer Trendentwicklung verglichen wird, werden Atomkraftwerke abgeschaltet, sobald sie eine Laufzeit von 20 Jahren erreicht haben oder die Lagermöglichkeiten in den anlageninternen Abklingbecken erschöpft sind.
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