Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Atomforum will Ökostromanbieter für Laufzeitverlängerungen ködern

Walter Hohlefelder, Präsident des Deutschen Atomforums, ist besorgt. Wenn die sieben Uralt-Meiler abgeschaltet würden, sei die Versorgungssicherheit in Deutschland massiv gefährdet, sagt er. Nun, bei sechs abgeschalteten waren wir schon - es ist nicht bekannt, dass in Deutschland irgendwo das Licht ausgegangen wäre.

  • /

Medienberichten zufolge will Hohlefelder den deutschen Ökostromanbietern eine Allianz vorschlagen. Lassen sie sich für eine Laufzeitverlängerung der alten Reaktoren einspannen, so investieren die Atomstromkonzerne im Gegenzug in Erneuerbare Energien und Effizienzsteigerung.

Mit diesem Angebot versucht die Atomlobby, einen faulen Deal einzufädeln, so Thomas Breuer, Leiter des Energie- und Klimabereichs bei Greenpeace. Die Erneuerbaren Energien benötigen kein Bündnis mit der Atomindustrie. Die Atomstromkonzerne E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW müssen sich einfach entscheiden, ob sie weiter die Energiewende blockieren oder ob sie ihre Investitionen endlich in zeitgemäße und klimaschonende Energieerzeugung lenken.

In Deutschland waren im Sommer 2007 zeitweise sechs Atomkraftwerke nicht am Netz - fünf wegen Reparaturarbeiten, eines wegen der jährlichen Revision. Die beiden AKW Krümmel und Brunsbüttel stehen seit fast zwei Jahren still. Der alte Meiler Biblis A lieferte in ganz 2007 nicht eine Megawattstunde Strom.

Mit Halbwahrheiten zur Energiepolitik und dem alten Märchen von der Gefährdung der Stromversorgung soll die Notwendigkeit des Atomstroms und der Laufzeitverlängerung wiederbelebt werden, sagt Breuer. Greenpeace hat mit dem Plan B aufgezeigt, dass der Atomausstieg in Deutschland bis 2015 möglich ist, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.

Publikationen

Klimaschutz: Plan B bis 2020

Die Erde erwärmt sich schneller als bislang vorhergesagt. Es müssen sofort wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen werden - vor allem von Seiten der Politik und Wirtschaft. Die Studie untersucht, wie der vorzeitige Atomausstieg mit dem Klimaschutzziel vereinbar ist, die Emissionen von Treibhausgasen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu senken.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report 2020

Die Strahlungsmessungen in der Region Fukushima aus dem Herbst 2019 zeigen: Unwetter wie der Taifun Hagibis führen zum Auftreten neuer radioaktiver Hotspots. Auch in den Gebieten, in denen im Sommer 2020 die Olympiade stattfinden soll.

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

Kinder und die Dekontaminierungsarbeiter leiden besonders unter der radioaktiven Strahlung in Fukushima. Sie ist auch acht Jahre nach dem Atomunfall in Japan noch viel zu hoch.

Mehr zum Thema

Auf Nimmerwiedersehen

Das Atomkraftwerk Philippsburg macht Platz für eine moderne Umspann-Anlage. Greenpeace hat dort häufig protestiert, in der Nacht zum letzten Mal. Ein Abschied ohne Wehmut.

Katastrophe ohne Verfallsdatum

Vor 34 Jahren explodierte Block vier des Atomreaktors von Tschernobyl. Wie schwer der Super-GAU noch Jahrzehnte später wiegt, zeigen die derzeitigen Waldbrände.

Brennende Sorge

Die Brände um Tschernobyl scheinen unter Kontrolle zu sein – unter großem Einsatz der Feuerwehrleute vor Ort. Die Fast-Katastrophe zeigt: Ein GAU ist niemals abgeschlossen.