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Atomenergie für Klimaschutz bringt mehr Probleme als Nutzen

Der dritte Teilbericht des UN-Klima-Reports ist noch gar nicht veröffentlicht, da grassieren in den Medien schon Gerüchte. Besonders eine vermeintliche Aussage der Wissenschaftler im Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) erregt dabei in Deutschland die Gemüter. Diskutiert wird die Frage: Kann die Atomenergie das Klima retten und sollte Deutschland aus dem Atomausstieg wieder aussteigen?

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Der endgültige Bericht des Wissenschaftlergremiums liegt noch nicht vor, er wird erst ganz kurz vor der offiziellen Veröffentlichung am 4. Mai in Bangkok festgezurrt. Er beschäftigt sich damit, welche Möglichkeiten der Menschheit noch bleiben, um die schlimmsten Folgen des Klimawandel zu verhindern. In diesem Zusammenhang wird auch die Atomkraft diskutiert.

Der Anteil der Atomenergie am weltweiten Enrgieaufkommen ist nicht sehr hoch, nur rund sieben Prozent, erklärt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. Und selbst in atomenergiefreundlichen Szenarien wird dieser Anteil nicht wesentlich erhöht. Auf jeden Fall handelt man sich große Probleme ein, die mit der Nutzung der Atomerergie verbunden sind:

  • Der Neubau von AKWs würde riesige Investitionssummen verschlingen
  • Atomtechnologie verbreitet sich weiter auf der Welt, die zum Bau von Atombomen führen kann. Das zeigen Beispiele wie Pakistan, Indien, Israel und Nordkorea.
  • Atomreaktoren sind mögliche Ziele für Terroristen
  • das Unfallrisiko (ein neuerliches Desaster wie in Tschernobyl) würde die gesellschaftliche Akzeptanz weiter verschlechtern und die ganzen Investitionen sinnlos machen
  • die Uranreserven der Welt sind stark begrenzt, somit kann die Atomenergie keine langfristige Lösung für das Klimaproblem darstellen
  • das Atommüllproblem ist nicht gelöst, und es ist fragich, ob es überhaupt je ein Endlager geben kann, in dem der Atommüll über hunderttausende Jahre sicher lagert.

Wichtig ist auch eine Klarstellung, dass die Atomenergie nicht CO2-frei ist, sagt Smital. So wird bei der Nutzung der Atomenergie ebenfalls Kohlendioxid freigesetzt: beim Bau von AKWs, bei der Förderung des Urans und bei verschiedenen Arbeitsschritten während der Brennelementeherstellung. Insgesamt liegt die Atomkraft mit rund 31 Gramm CO2 pro Kilowattstunde (kWh) erzeugtem Strom noch weit vor der Windenergie mit 19 Gramm CO2/kWh und ist daher allein unter dem Blickwinckel des Klimaschutzes nicht die erste Wahl.

In Deutschland wäre eine Abkehr vom Atomausstieg das falsche Signal, warnt Smital. Wir brauchen eine Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien und zu mehr Energieeffizienz. Wenn wir die Atomkraftwerke einfach länger laufen lassen, sinkt die Bereitschaft, in Erneuerbare Energien zu investieren.

Bundeskanzlerin Merkel fordert immer wieder gern - und ganz im Sinne der Atomindustrie: Wer auf Atomkraft verzichten will und auch noch auf die CO2-Schleudern Kohlekraftwerke, der solle doch erst einmal vorweisen, wie das möglich sein soll. Genau das hat Greenpeace getan. Ende Januar haben wir einen Masterplan zur Rettung des Klimas vorgelegt. Das fast 100-seitige Werk weist den weltweiten Weg zu einer nachhaltigen Energie-Zukunft, eine globale Energie-(R)evolution.

Publikationen

Risiko Atomkraft

Warum der Ausstieg aus der Atomkraft der einzig richtige Weg ist.

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Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

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