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Alternative Standorte für Castoren

Atommüll in die Zwischenlager Isar in Bayern, Philippsburg in Baden-Württemberg und Biblis in Hessen zu transportieren - das sieht ein Konzept von Greenpeace vor. Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) bezeichnet den Vorschlag als eine Möglichkeit, die man durchaus prüfen sollte. Das sagte er der Frankfurter Rundschau in einem heute erschienen Interview. Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) schloss das südhessische AKW Biblis heute gegenüber dpa jedoch als mögliches Zwischenlager für Atommüll aus. Begründung: Die Genehmigung des Zwischenlagers in Biblis lasse die Lagerung von Castoren mit Abfällen aus der Wiederaufbereitung nicht zu.

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Das am 25.10.2010 vorgestelltes Konzept von Greenpeace sieht vor, den in Deutschland anfallenden Atommüll im ersten Schritt auf die Zwischenlager Isar in Bayern, Philippsburg in Baden-Württemberg und Biblis in Hessen zu verteilen. Im zweiten Schritt muss dann ein nationales Konzept für ein verantwortungsvolles Endlager entwickelt werden.

Frau Puttrich täuscht die Öffentlichkeit. Die Genehmigung für das Zwischenlager Biblis lässt sich für die Lagerung von Castoren mit Abfällen aus der Wiederaufarbeitung erweitern. Die Gefahren durch den Atommüll sind für Gorleben nicht geringer, als sie es für Biblis wären. Die CDU in Hessen und Baden-Württemberg versucht sich in dreister Weise der Verantwortung für den in ihren Bundesländern erzeugten Atommüll zu entziehen, sagt Greenpeace Atomexperte Tobias Münchmeyer.

Zurück an den Abesender

Über die Hälfte des Atommülls stammt ursprünglich aus Atomkraftwerken in den drei Bundesländern Hessen, Bayern und Baden-Württemberg - nur circa 20 Prozent kommen aus Niedersachsen. Bisher wurde der radioaktive Müll aus der Wiederaufbereitung nur in das niedersächsische Zwischenlager Gorleben transportiert. Mit jedem Transport steigt dort der Druck, aus dem wachsenden Zwischenlager ein Endlager zu machen. Greenpeace fordert, die Abfälle zwischenzulagern, wo sie entstehen: Bei den Atomkraftwerken.

Herr Sander hat mit der Bereitschaft zur Prüfung des Greenpeace-Konzepts endlich ein Umdenken wenigstens angedeutet, so Münchmeyer. Die Bundesregierung muss endlich eingestehen, dass sie sich in Gorleben verrannt hat, dass es keine weiteren Transporte nach Gorleben mehr geben wird und dass Gorleben als Endlager-Standort aufgegeben wird.

Greenpeace fordert auch weiterhin die endgültige Aufgabe des ungeeigneten Salzstocks Gorleben als Endlager. Statt einer vorzeitigen Festlegung muss eine wirklich ergebnisoffene Standortsuche nach internationalen wissenschaftlichen Kriterien beginnen.

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