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Aktivisten fordern Castor-Stopp für Gorleben

Greenpeace-Aktivisten haben mit einer 2,50 x 6 Meter großen Castor-Attrappe auf einem LKW-Auflieger vor den Toren des Zwischenlagers Gorleben protestiert. Kurz zuvor war am Zaun des Zwischenlagers eine deutlich gestiegene Radioaktivität gemessen worden. Auf einem Banner forderten die Aktivisten, dass "Kein weiterer Castor nach Gorleben" rollen darf.

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Die Forderung auf dem Banner richtete sich vor allem an die niedersächsische Landesregierung. Sie soll den für den Herbst geplanten Castor-Transport absagen und auch in Zukunft keinen weiteren Castor mit hochradioaktivem Atommüll nach Gorleben rollen lassen. Dort stehen derzeit 102 Castorbehälter. Das niedersäschsische Umweltministerium hat 420 Castoren für das Lager genehmigt. Doch obwohl das Lager noch nicht einmal zu einem Viertel belegt ist, könnte bereits in diesem Jahr der Grenzwert von 0,3 Millisievert überschritten werden.

Die letzten beiden Castor-Transporte strahlten deutlich stärker als die vorhergehenden, sagt Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace. Ein einzelner Behälter enthält so viel radioaktives Inventar, wie bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl insgesamt freigesetzt worden ist. Die Ursache: Aus wirtschaftlichen Gründen werden die Brennelemente in den AKW zunehmend länger abgebrannt. Dies führt zu erhöhter Radioaktivität des Atommülls.

Philippsburg statt Gorleben

Jeder weitere Castor-Transport nach Gorleben ist nach Ansicht von Greenpeace auch eine Vorfestlegung auf ein dortiges Endlager. Lagerkapazitäten an süddeutschen Zwischenlagerstandorten wurden durch den Atomausstieg frei. Der Standort am AKW Philippsburg in Baden-Württemberg ist das nächstgelege Zwischenlager an der deutsch-französischen Grenze und verfügt über einen Schienenanschluss bis in das Gelände hinein. Der Transport dorthin wäre deutlich sicherer.

Die gestiegene Strahlung am Zwischenlager bekräftigt unsere Forderung, die Castor-Transporte nach Gorleben umgehend zu stoppen und künftig in das grenznahe Zwischenlager am AKW Philippsburg umzuleiten, sagt Heinz Smital. Die niedersächsische Landesregierung muss jetzt mit offenen Karten spielen. Sie darf keine Tricks und Täuschungen versuchen wie ein Umlagern der hochgefährlichen Castoren oder Abschirmversuche mit Leerbehältern.

Für eine Einlagerung am Standort Philippsburg müsste die bestehende Genehmigung auf den Castor HAW 28 M erweitert werden, so wie auch die Genehmigung des Zwischenlagers Gorleben mit der 4. Änderungsgenehmigung vom 29. Januar 2010 erweitert worden ist.

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