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USA wollen bedrohte Arten preisgeben

Die US-Regierung unter Präsident George W. Bush hat weitreichende Veränderungsvorschläge im internationalen Artenschutz vorgelegt. Washington will es Jägern, Zirkusbetrieben und der Tierhandelindustrie erlauben, vom Aussterben bedrohte Tiere zu fangen, zu importieren und sogar zu töten - allerdings nur außerhalb der eigenen Landesgrenzen.

Hanebüchene Begründung der US-Behörden für den Wegfall des Schutzes: Wenn man Amerikanern den Zugang zu den bedrohten Tieren verschafft und damit die immense US-Nachfrage nach lebenden Tieren, Fellen und Tiertrophäen befriedigt, könnten die ärmeren Staaten den damit erzielten Profit für den Erhalt der verbliebenen Tiere und deren Lebensraum einsetzen.

Die neuen Vorschläge verstießen nicht gegen das US-Gesetz zum Schutze bedrohter Arten, sondern nutzten nur die Möglichkeiten aus, die darin enthalten seien, so die US-Behörden. Seit Unterzeichnung des Gesetzes in den 70er Jahren, das nur einen absoluten Schutz für inländische Arten vorschreibt, war dieser Schutz in einer Art stillschweigender Übereinkunft auch auf Tierarten aus dem Ausland ausgeweitet worden. Die Bush-Regierung schlägt nun eine Neu-Interpretation des Gesetzes vor.

Tierschutzexperten halten die Vorschläge für außerordentlich bescheuert. Sie warnen davor, dass diejenigen, die die Tiere jagen und töten dürfen, um damit Profit zu machen, selbst die Abschussquoten festlegen können. Zwar sollen die Quoten das Überleben einer Tierart nicht gefährden, aber Adam Roberts von der Tierschutzorganisation Animal Welfare Institute stellte in der Washington Post klar: Sobald ein Preis auf den Kopf eines wilden Tieres ausgesetzt ist, besteht der Anreiz es zu fangen oder zu töten. Und von dem Augenblick an, in dem die Leute mitbekommen, wie leicht damit Geld zu machen ist, werden sie es auch tun. (mir)

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