Wale - bewundert und bedroht Teil 2

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    Das Massensterben der kleinen Wale

    Fischerei oft rücksichtslos auf Masse bedacht

    Leben im Giftcocktail

    Greenpeace-Aktionen zum Schutz der Wale

    Greenpeace fordert

Das Massensterben der kleinen Wale

Die Situation der Kleinwale ist noch dramatischer. Der kommerzielle Delfinfang, der - oftmals unbemerkt - in vielen Ländern der Welt betrieben wird, hat inzwischen ein nahezu unglaubliches Ausmaß erreicht. Weltweit werden jedes Jahr mehrere zehntausend kleine Wale getötet.

Die Gründe für das oft grausame Abschlachten der Delfine sind vielfältig: Heute sind nahezu alle Großwalarten so dezimiert, daß sich die Jagd auf sie nicht mehr lohnt. Zudem sind sie inzwischen durch das Walfang-Moratorium der IWC unter Schutz gestellt. Für die kleinen Wale gilt das Moratorium jedoch nicht.

Wenn keine großen Wale mehr gefangen werden dürfen, so etwa das Motto der japanischen Walfänger, fangen wir eben mehr kleine. Die Zahlen sprechen für sich: Jedes Jahr tötet Japan mehr als 15.000 Delfine und Schweinswale. Japaner nennen das Schlachtspektakel, das sie alljährlich vor ihren Küsten veranstalten, Tradition.

Fischerei oft rücksichtslos auf Masse bedacht

Zu einem der größten Probleme für alle Meeressäuger hat sich die gnadenlose Überfischung der Weltmeere entwickelt. Immer mehr und immer größere Schiffe beuten die Meere mit zerstörerischen Fangmethoden aus. Wale und Robben leiden gleich mehrfach unter diesem Raubbau. Sie verlieren ihre Nahrungsgrundlage, werden selbst gejagt oder sterben als Beifang. Was früher Nahrungsquelle für die Meeressäuger war, landet heute als Fischstäbchen im Kühlregal oder als Fischmehl im Schweinetrog. Die Bestände von Stellerschen Seelöwen beispielsweise gehen drastisch zurück, seitdem riesige Fabrikschiffe im Nordpazifik jedes Jahr rund vier Millionen Tonnen Alaska-Seelachs fischen. Dieser wandert unter anderem auch in deutsche Fischstäbchen.

In Kanada, Norwegen und Namibia suchen Fischer und Regierungen Sündenböcke für die schwindenden Fischbestände. Statt die Fangmengen zu reduzieren, wollen sie sich lästiger Konkurrenten entledigen. Weil Robben und Wale Fisch fressen, werden sie getötet - damit mehr Fisch für den Menschen bleibt.

Leben im Giftcocktail

Die Verschmutzung der Flüsse und Meere wird in naher Zukunft wohl zum Hauptproblem aller großen und kleinen Wale. Eingeleitete Gifte - etwa Pestizide und Schwermetalle -, versenkter Atommüll sowie die Verschmutzung durch Öl werden dramatische Folgen besonders für die Wale haben, denn sie stehen am Ende der Nahrungskette und reichern Gifte in ihrem Körper an.

Massensterben wie das der Großen Tümmler 1988 an der Ostküste der USA sowie 1990 und 1992 im Golf von Mexiko sind keine Einzelfälle. Weitere Beispiele: 1991 und 1992 sterben Tausende von Streifen-Delfinen im Mittelmeer, 1994 war der gemeine Delfin im Schwarzen Meer betroffen.

Ende 1995 sterben im Mittelmeer auch Finnwale an einem Virus. Vermutlich schwächen industrielle Giftstoffe das Immunsystem der Tiere - beispielsweise polychlorierte Biphenyle (PCBs, Flammschutzmittel in Transformatoren und Kondensatoren), polybromierte Biphenyle (PBBs, Flammschutzmittel einer neuen Generation) und Pestizide wie DDT. Auch Tributylzinn (TBT, verwendet in Antifouling-Schiffsanstrichen) ist äußerst gefährlich für die Meereslebewesen.

Seit einigen Jahren machen Wissenschaftler verstärkt auf diese neue Gefahrenquelle für die Meere und seine Bewohner aufmerksam: Zahllose Giftstoffe gelangen über Flüsse, durch Niederschläge und Lufteintrag in die Ozeane und reichern sich dort an. Umweltgifte wie Phthalate (etwa als Weichmacher im PVC), Alkyphenole, PCB und Dioxine greifen schon in geringen Konzentrationen in das Hormonsystem von Tieren ein und können zum Beispiel Unfruchtbarkeit hervorrufen. Die Weißwale oder Belugas des St. Lorenz-Stroms im östlichen Grenzgebiet zwischen Kanada und den USA sind dadurch inzwischen vom Aussterben bedroht.

Auch die Flussdelfinarten sind von der Verschmutzung ihres Lebensraumes stark bedroht. Der chinesische Baiji oder Yangtse-Delfin wurde Ende 2006 bereits für ausgestorben erklärt.

In die Flüsse des Amazonasbeckens - der Heimat des Amazonas-Delfins - haben illegale Goldschürfer alljährlich bis zu 2000 Tonnen Quecksilber gewaschen.

Quecksilber aus Walen und Delfinen bedroht auch die Gesundheit von Menschen, die das Fleisch solcher Tiere essen. Auf den Färöer-Inseln leiden Kinder an Nervenschäden, wenn ihre Mütter in der Schwangerschaft Walfleisch verzehrten. In Japan laufen Verbraucherschützer Sturm gegen den Verkauf von verseuchtem Delfinfleisch. Wenn der Mensch nicht schonend und respektvoll mit der Natur und ihren Bewohnern umgeht, holen die Folgen ihn unweigerlich ein.

Internationale Abkommen - sowohl für kleine wie große Wale - müssen an den Wurzeln ansetzen: Ein auf Vorsorge basierendes Fischereimanagement und drastische Maßnahmen gegen die Zerstörung und Verschmutzung des Lebensraumes Wasser - auf dessen Qualität letztlich alles Leben beruht - sind unabdingbare Voraussetzungen für einen wirkungsvollen Schutz der Meeressäuger.

Greenpeace-Aktionen zum Schutz der Wale

1975 manövrierten Greenpeacer zum ersten Mal ihre Schlauchboote zwischen fliehende Wale und die Harpunen der Walfänger. Seither versucht Greenpeace immer wieder, Wale durch Aktionen vor dem Harpunentod zu bewahren. Dies geschieht auch durch Mitarbeit in nationalen und internationalen Gremien.

Seit 1977 erhält Greenpeace offiziellen Beobachterstatus in der Internationalen Walfangkommission (IWC). Seit Anfang der 80er Jahre kämpft Greenpeace gegen die Treibnetzfischerei. Es gelang schließlich, 1992 ein Verbot dieser Fischerei durch die Vereinten Nationen durchzusetzen.

1988 und 1989 rief Greenpeace zum Boykott isländischer Fischereiprodukte auf, um den Inselstaat zur Einstellung des illegalen Walfangs zu bewegen. Der Boykott hatte Erfolg. Island stellte den Walfang für viele Jahre ein.

Im Januar 1989 traf das Greenpeace-Schiff Gondwana in der Antarktis auf die japanische Walfangflotte. Tagelang behinderten Greenpeace-Schlauchboote den illegalen Walfang - mit Erfolg: 51 Minkewale wurden vor den Harpunen gerettet.

Sommer 1990: Die verheerende Ringwadenfischerei im tropischen Ostpazifik wurde - in Zusammenarbeit mit anderen Umweltschutzverbänden - aufgedeckt und öffentlich gemacht. Damit wurde der Tod vieler hunderttausend Delfine verhindert. Anfang Dezember 1990 versuchten acht Schwimmer der Gondwana-Crew, das japanische Walfangfabrikschiff Nisshin Maru No.3 auf seinem Weg in die Antarktis zu stoppen. Immer wieder sprangen sie vor den Bug des 23.000-Tonnen-Schiffes. Nach einer Verfolgungsfahrt von über tausend Seemeilen konnte das Töten der Wale tagelang erfolgreich verhindert werden. In dieser Zeit fiel kein Wal den Harpunen zum Opfer.

1993 besetzten Greenpeacer auf den Lofoten drei Walfangschiffe und hinderten sie am Auslaufen. Im Juli 1994 war Greenpeace gleich mit zwei Schiffen, der Solo und der Sirius, gegen norwegische Walfänger im Einsatz. Obwohl die norwegische Marine drei Kriegsschiffe aussendete, gelang es Aktivisten in Schlauchbooten, die Walfänger über drei Wochen lang am Walfang zu hindern - bis beide Greenpeace-Schiffe beschlagnahmt und die Crew verhaftet wurden.

Anfang 1995 behinderten Schlauchbootfahrer und die Hubschrauberpilotin der MV Greenpeace japanische Walfänger, die in antarktischen Gewässern jagten. Die Weltöffentlichkeit wurde aufmerksam gemacht, dass Japan trotz des Walschutzgebietes weiter Wale tötet. Im April 1995 deckte Greenpeace auf, dass die von Norwegen seit Jahren verwendeten Bestandszahlen viel zu hoch sind. Die norwegische Regierung bestätigte den Fehler und reduzierte die Abschussquote um 69 Tiere. Im Juni 1995 blockierten Greenpeacer das Schiff des Sprechers der norwegischen Walfänger, Steinar Bastesen. Er hatte gefordert, die Abschussquote von 232 Minkewale auf 1.800 Tiere zu erhöhen und auch Finnwale und Orcas schießen zu dürfen.

Juni 1996: 40 Aktivisten behindern nahe der südnorwegischen Hafenstadt Kristiansand das Auslaufen von vier Walfangschiffen. Die norwegische Regierung hatte die Abschussquote 1996 auf 425 Wale erhöht, fast doppelt so viele wie 1995. Getötet wurden schließlich 382 Wale, obwohl sich Walfleisch in Norwegen immer schlechter verkaufen lässt und sich in Kühlhäusern stapelt.

Im Dezember 1998 blockierten Greenpeace Aktivisten die japanische Walfangflotte im Hafen von Noumea, Neukaledonien. Den Hafen hatte die Flotte angelaufen, nachdem an Bord des Fabrikschiffes Nisshin Maru ein Brand ausgebrochen war.

1999 überfährt die norwegische Küstenwache ein Schlauchboot von Greenpeace und verletzt den Aktivisten Mark Hardingham schwer. Ein Walfänger des norwegischen Fangboots Kato schießt mit dem Gewehr auf ein Greenpeace-Schlauchboot.

1999 und 2001 trifft das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise auf die japanische Walfangflotte.

2003 präsentiert Greenpeace auf der IWC-Tagung in Berlin tote Schweinswale. Die IWC beschließt, sich um alle Probleme aller großen und kleinen Walarten kümmern zu wollen.

2005/06 behindert Greenpeace mit der Esperanza und der Arctic Sunrise den Walfang Japans in der Antarktis. In dieser Saison erweitert Japan das Artenspektrum seiner Jagd auf Finnwale. Greenpeace demonstriert mit einem tot aus der Ostsee geborgenen Finnwal vor der japanischen Botschaft in Berlin.

Im Februar 2007 bietet Greenpeace mit der Esperanza vor Ort Schlepphilfe an, als das japanische Fabrikschiff Nisshin Maru nach einem Brand manövrierunfähig im Eismeer treibt. Die Hilfe wird von Japan aus abgelehnt. Da die Nisshin Maru keinen Eisschutz hat, hätte sie leckgeschlagen werden können. Öl und giftige Chemikalien hätten die empfindliche Umwelt der Antarktis verseucht. Die Havarie des Schiffes bedeutet das vorzeitige Ende der Walfangsaison.

Im Februar 2008 verfolgt die Esperanza das Walfang-Fabrikschiff zwei Wochen lang. Während dieser Zeit wird kein einziger Wal geschossen.

Greenpeace fordert:

  • Die Bundesrepublik Deutschland muss sich aktiv für Meeresschutzgebiete in den Ozeanen der Welt einsetzen.
  • Japan, Norwegen und Island müssen den Walfang sofort einstellen sowie alle Walschutz-Regelungen der IWC akzeptieren und einhalten.
  • Das Walfangmoratorium und das internationale Handelsverbot müssen aufrecht erhalten bleiben.
  • Die Überfischung der Meere muss gestoppt werden, auch mit Verbot aller Fangmethoden, bei denen Meeressäuger und andere Tiere als Beifang sterben.
  • Das Vorsorge-Prinzip muss im Fischereimanagement umgesetzt werden.
  • Das Töten von Meeressäugern zur "Förderung der Fischerei" ist international zu verbieten.
  • Sauberes Wasser und saubere Luft: Schadstoffeinträgen in die Meere - über Flüsse, die Luft, durch Schiffe und Ölplattformen - muss durch strenge gesetzliche Maßnahmen vorgebeugt werden. Die Einleitung von sich in Lebewesen anreichernden und schwer abbaubaren (persistenten) oder giftigen Stoffen muss eingestellt werden.
  • Entwicklung von Produktionsmethoden, bei denen keine Schadstoffe entstehen, und von Produkten, die keine Giftstoffe enthalten (Clean Production).

Wenn wir die Wale nicht retten können, dann können wir gar nichts mehr retten - einschließlich der menschlichen Spezies. Wale sind ein Symbol des Überlebens, vielleicht das Symbol allen Bewahrens! Sir Peter Scott, 1986

V.i.S.d.P: Thilo Maack
Stand 01/2010

Bücher und Filme zum Thema:

  • Ralf Kiefner: Wale & Delphine weltweit,                                                                                                                                                                                       Jahr Top Special Verlag, Hamburg 2002.
  • John May: Das Greenpeace-Buch der Delfine,
    Interbook Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 1990.
  • Fabian Ritter: Wale beobachten,
    Conrad Stein Verlag, Welver 2004.
  • Tim Severin: Der weiße Gott der Meere,
    Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2002.
  • Gregory Gibson: Walfänger. Die blutige Meuterei auf der Globe,
    Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2005.
  • Knut Weidlich (Hrsg.): Von Walen und Menschen,
    Historika Photoverlag, Hamburg 1992.
  • Ralf Breier / Jörg Reiter: Delfingeschichten,
    Kiepenheuer & Witsch, Köln 1992.
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