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Wir hatten auf Einsicht gehofft

Freitag endete in Panama-Stadt das 64. Jahrestreffen der Internationalen Walfang-Kommission (IWC). Meeresschützer hatten Fortschritte für den Walschutz erwartet, doch die Hoffnungen wurden enttäuscht. Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack erklärt, was das für die Wale bedeutet.

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Wolfgang Hassenstein: Greenpeace war zuversichtlich, dass die IWC-Konferenz den Walschutz in diesem Jahr entscheidend voranbringen könnte. Stattdessen gab es Rückschläge. Wie kam es dazu?

Thilo Maack: Das wichtigste Thema auf der diesjährigen Konferenz war der Vorschlag für ein riesiges Walschutzgebiet im Südatlantik. Wir hatten Grund zur Hoffnung, dass die notwendige Drei-Viertel-Mehrheit erreicht wird. Am Ende hat es Japan aber offensichtlich doch wieder geschafft, sich die nötigen Stimmen zusammenzukaufen, um das Schutzgebiet zu verhindern - obwohl das Land das Geld eigentlich für den Wiederaufbau nach der Tsunami- und Fukushima-Katastrophe dringend bräuchte.

Aber der Trick hat noch einmal geklappt: Mit Hilfszahlungen ermöglicht es Japan einer Reihe kleiner Länder wie Palau, Antigua und einigen afrikanischen Staaten, die nie etwas mit Walfang zu tun hatten, Delegationen zur Konferenz zu entsenden. Diese Länder stimmen dann stets mit den Walfangnationen und verhindern jeden Fortschritt.

Wolfgang Hassenstein: Was hätte das Schutzgebiet gebracht?

Thilo Maack: De facto findet im Südatlantik derzeit kein Walfang statt. Aber die Einrichtung des Schutzgebiets wäre ein Signal für die Zukunft gewesen. Damit hätte die IWC gezeigt, dass sie im 21. Jahrhundert angekommen ist und sich von einer Walfang- zur Walschutzorganisation weiterentwickelt. Für die Wale gibt es heute sehr viel größere Probleme als den Walfang. Hunderttausende von ihnen sterben alljährlich qualvoll als Beifang in Fischernetzen, und auch die Verlärmung der Ozeane führt zum Tod unzähliger Tiere. Die IWC sollte es sich zur Aufgabe machen, diese Bedrohungen zu bekämpfen.

Wolfgang Hassenstein: Stattdessen hat auch noch Südkorea angekündigt, wieder in den Walfang einzusteigen.

Thilo Maack: Die südkoreanische Delegation hat seit Jahren entsprechende Andeutungen gemacht, die Ankündigung kam also nicht wirklich überraschend. In der Region gibt es einen blühenden illegalen Walfang. In Südkorea ist der Verkauf von Walfleisch aus Beifängen in der Fischerei erlaubt, was zum Missbrauch geradezu einlädt, denn es ist dem Walsteak ja nicht anzusehen, wie der Wal gefangen wurde.

Nun hat das Land angekündigt, wie Japan wissenschaftlichen Walfang betreiben zu wollen - das ist ein Schlag ins Gesicht der Staatengemeinschaft. Denn damit wird ganz offen das seit 1986 geltende Walfangverbot umgangen, obwohl jeder weiß, dass die wissenschaftlichen Gründe nur vorgeschoben sind.

Wolfgang Hassenstein: Der Leiter der südkoreanischen Delegation führt an, die Walbestände hätten sich erholt und Fischer würde darüber klagen, dass ihnen die Wale den Fang wegfressen.

Thilo Maack: Das Märchen von den Walen als Konkurrenten der Fischerei ist längst widerlegt. Bevor der Mensch die Meere geplündert hat, gab es viel größere Walbestände und zugleich viel größere Fischbestände als heute. Die Minkewale, die Südkorea jagen lassen will, fressen hauptsächlich Plankton oder Fischarten, die keine wirtschaftliche Bedeutung haben. Hinzu kommt, dass in der betroffenen Region eine Subpopulation der Minkewale vorkommt, die immer noch stark bedroht ist. Die Walfänger können die Bestände aber nicht unterscheiden.

Wolfgang Hassenstein: Streit gab es auch um den indigenen Walfang. Die von Grönland geforderte höhere Quote wurde abgelehnt.

Thilo Maack: Alles andere wäre skandalös gewesen. Grönland, dass derzeit mehr als 200 Wale jährlich fangen darf, wollte jährlich neun Finnwale und einen Buckelwal mehr fangen. Doch schon jetzt gehen die erzielten Mengen weit über den Bedarf der Ureinwohner hinaus. Dort wird Walfleisch immer wieder in Hotels Touristen angeboten, also kommerziell verkauft. Das hat mit traditionellem Walfang für den Eigenbedarf nichts zu tun.

Das Interview führte Wolfgang Hassenstein für greenpeace-magazin.de.

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