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Walfang beeinträchtigt viele Tierarten

Der ehemals exzessive Walfang im Nordpazifik wirkt sich vermutlich bis heute auf den Bestand von zahlreichen Tierarten aus. Diese Hypothese stellen Biologen der Universität von Alaska in Fairbanks in der Fachzeitschrift PNAS auf. Die Wissenschaftler wollen aufzeigen, dass das maßlose Ausbeuten einer Tierart eine vernichtende ökologische Kettenreaktion nach sich ziehen kann - und damit ein ganzes Ökosystem beeinflusst.

Durch den Walfang zwischen 1946 und 1979 ist die Zahl der Großwale deutlich gesunken. Damit ging einer bestimmten Gruppe von Orkas ihre Hauptnahrungsquelle verloren. Orkas machen in Gruppen Jagd auf vereinzelt umherwandernde Großwale und töten sie nach oftmals stundenlanger Verfolgung. Vor allem die Jungtiere der Großwale sind für sie eine leichte Beute, wenn sie von ihren Müttern getrennt werden können.

Mit dem Rückgang der Großwale mussten die Orkas auf kleinere Meeressäuger ausweichen, die an den Küsten Alaskas leben. Die Zahl der Robben und Seehunde sei nahezu zeitgleich mit der Intensivierung der Waljagd zurückgegangen, so berichten die Forscher. Als sich in den 70er Jahren auch die Zahl der Seehunde verringerte, traf es die Pelzrobben, Seelöwen und schließlich die Seeotter. Deren Population ist bis heute beeinträchtigt.

Damit schließt sich für die Forscher die Kette: Vom Sterben der Großwale zur Dezimierung der kleineren Tierarten. Zu den bis heute noch Wale jagenden Ländern gehört unter anderem Norwegen. Das Land fühlt sich nicht an das 1986 in Kraft getretene Walfang-Moratorium gebunden. Die Norweger töteten in diesem Jahr 647 Minkewale zu kommerziellen Zwecken, für das nächste Jahr sind 670 Minkewale zum Abschuss frei gegeben. Den nordostatlantischen Ursprungsbestand haben norwegische Walfänger bereits um die Hälfte halbiert, indem sie von 1930 bis 1980 jährlich rund 2.000 Tiere töteten. (NIC)

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