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Start der Walfang-Verhandlungen

Seit heute läuft die entscheidende Phase der 62. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Agadir/Marokko. In der vergangenen Woche war bereits zwei Tage lang über die Aktualisierung eines Kompromiss-Vorschlages des IWC-Vorsitzenden, Anthony Liverpool, diskutiert worden, der die Grundlage für das Treffen bilden soll. Thilo Maack, Meeres- und Walfang-Experte von Greenpeace Deutschland, berichtet vom Auftakt der Walfang-Verhandlungen.

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Sollte der Kompromissvorschlag in der bestehenden Form auf IWC-Konferenz angenommen werden, würde das Walfangverbot aufgehoben werden und die drei Walfangnationen Island, Japan und Norwegen bekämen eine Fangquote. Sie würden im Gegenzug aber die Einrichtung eines Schutzkomittees sowie ein weiteres Walschutzgebiet im Südatlantik akzeptieren. Doch die Positionen der seit Jahren festgefahrenen Lager der Walfang- und Walschutznationen liegen zu weit auseinander: Während sich Länder wie Deutschland, Großbritannien und Australien eindeutig zum Walschutz geäußert haben, fordern die Walfangländer höhere Quoten und die Wiederaufnahme des Handels mit Walfleisch über Landesgrenzen hinweg. Ein Desaster, denn so wären dem kommerziellen Walfang Tür und Tor geöffnet.

Als Konsequenz begann das Treffen zwar heute morgen pünktlich um 10:00 Uhr, es war aber nach einigen Tanzaufführungen, einer Rede des Vorsitzenden und einer Tasse marokkanischen Pfefferminztees auch schon wieder vorbei. Denn bis jetzt konnte der Kompromissvorschlag für die anstehende Verhandlung nicht zufriedenstellend überarbeitet werden. Das soll jetzt in Kleingruppen geschehen, deren Ergebnisse zusammengeführt und am kommenden Mittwoch morgens im Plenum präsentiert werden. Die Chancen, dass nichts dabei herauskommt, sind groß. Sehr groß.

Korruptionsvorwürfe überschatten IWC-Tagung

Der heutige Start der Hauptverhandlung wird von einem Korruptionsvorwurf überschattet. Die britische Zeitung Sunday Times hat im Vorfeld der IWC einen Artikel über die Bestechlichkeit des IWC-Vorsitzenden und Botschafter der karibischen Inselnation Antigua, Anthony Liverpool, veröffentlicht. Offensichtlich wurde die Reise von Botschafter Liverpool über ein japanisches Reisebüro gebucht. Erst vor einer Woche deckte das britische Blatt als Ergebnis einer versteckten Untersuchung die Machenschaften der japanischen Regierung auf. Reporter der Zeitung gaben sich gegenüber Repräsentanten verschiedener afrikanischer Staaten als Mitarbeiter eines vermögenden schweizer Walschützer aus und boten hohe Summen Geld an. Einzige Bedingung: Der Vertreter des jeweiligen Landes sollte diesmal den Walschutz unterstützen - nicht wie sonst üblich die japanische Seite. Die Antwort der Regierungsvertreter war jedesmal positiv, solange die angebotene Summe über der Nippons lag.

Japanischer Walschutzaktivist trotz drohender Haftstrafe vor Ort

Ebenfalls in Agadir ist der japanische Walschützer Junichi Sato, dem in Japan 18 Monate Haft für die Enthüllung eines Unterschlagungs- und Korruptionskandales im japanischen Walfangprogramm drohen. Zusammen mit seinem Kollegen Toru Suzuki hatte er im Mai 2008 eine lückenlose Beweiskette für diese Vorwürfe vorgelegt, darunter Zeugenaussagen und ein Karton mit fast 24 Kilogramm Walfleisch, das er zuvor in einem Paketdepot sichergestellt hatte. Doch statt die für den Walfang Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, verhaftete man die Greenpeace-Aktivisten wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs. Das Urteil wird am 6. September gesprochen.

Greenpeace ist gegen den kommerziellen Walfang und fordert die Mitgliedsländer der Walfangkommission auf das Gremium zu einer Walschutzkommission umzubauen und sich endlich den aktuellen Gefahren für Wale zu widmen. Dazu gehört der hunderttausendfache Tod in den Netzen der Weltfischerei, der ständig zunehmende Unterwasserlärm sowie die schleichende Vergiftung der Meere.

Autor: Thilo Maack, Meeresexperte bei Greenpeace

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