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Robbenjagd: Es geht auch ohne Kanada-Urlaub

Die Greenpeace-Mahnwache gegen das Robbentöten ist beendet. Zum Abschluss zogen die Greenpeacer am Freitagmittag mit einem 350 Meter langen Robbenbanner vor die kanadische Botschaft in Berlin. Sie übergaben Botschafter Paul Dubois mehr als 7000 Protestunterschriften aus Berlin, Hamburg, Köln und München.

Greenpeace-Aktivisten hatten von Dienstag bis Freitag in den vier größten deutschen Städten ein vier Meter hohes dreiteiliges Bild mit Jagdszenen präsentiert. Erwachsene konnten sich auf Unterschriftenlisten gegen die Robbenjagd aussprechen, Kinder einen Stempelabdruck ihrer Hand hinterlassen. Mit ihrer Unterschrift erklärten die Menschen gleichzeitig, Kanada als Urlaubsland zu meiden, bis das Töten von Robben ein Ende habe.

Die kanadische Regierung will durch die Robbenjagd die Wirtschaft Neufundlands stärken. Tatsächlich ist der Tourismus längst zu einer wesentlich wichtigeren Einnahmequelle geworden. Die Robbenjagd brachte 2004 nur rund zehn Millionen Euro ein - weniger als 0,1 Prozent des neufundländischen Bruttosozialprodukts.

Andrea Cederquist, Meeresexpertin von Greenpeace, weist darauf hin, dass allein deutsche Urlauber 2004 in Kanada wesentlich mehr ausgegeben haben: etwa 240 Millionen Euro. Wenn Touristen das Land nun wegen der brutalen Jagd meiden, wären die Folgen für Kanada gravierend, sagt sie. Die kanadische Regierung setzt durch das Festhalten an der grausamen Robbenjagd einen wichtigen Wirtschaftsfaktor aufs Spiel.

Kanada hat von 2003 bis 2005 insgesamt über eine Million Robben zum Töten freigegeben. Das sind pro Jahr rund 350.000 Tiere, die innerhalb weniger Tage abgeschlachtet werden. Sie werden mit Keulen zu Tode geprügelt oder mit Gewehren erschossen und anschließend gehäutet. Rund 30 Prozent der Tiere leben noch, wenn ihnen das Fell abgezogen wird. Das ergaben Untersuchungen von Tierärzten und Umweltschützern.

Es gibt keinerlei stichhaltiges Argument für diese mit Abstand größte Massentötung von Meeressäugern weltweit. Auch die bislang gern verbreitete Behauptung, die Robben fräßen den Menschen den Fisch weg, ist unhaltbar. Das ökologische Gleichgewicht der Meere wird nicht von den Robben gestört, sondern von den Fischereiflotten der Industrienationen mit ihren riesigen Netzen. (sit)

Auch wenn die Greenpeace-Mahnwache beendet ist, Sie können immer noch beim kanadischen Botschafter protestieren: Schluss mit der Robbenjagd in Kanada!

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