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Pattsituation in der IWC bedroht Wale

Die erste Entscheidung auf der 56. Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) ist gefallen: Geheime Wahlen in wesentlichen Fragen wird es auch in Zukunft nicht geben. Nein zur Waljagd sagen, aber heimlich mit ja stimmen wird also nicht möglich sein. Die Initiative Japans wurde mit einer knappen Mehrheit von 29 zu 24 Stimmen abgewehrt.

Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack, seit Montag als Beobachter im italienischen Sorrent dabei, konstatierte nach Stimmung und Abstimmung eine hauchdünne Mehrheit der Walschützer. Nicht zu übersehen sei allerdings auch: Die japanische Regierung bekommt immer mehr die Kontrolle über die IWC.

Die zweite Entscheidung, die am Montag fiel, ist denn auch ein herber Rückschlag für den Walschutz. Wichtige Beschlüsse der letztjährigen IWC-Konferenz in Berlin, die Berliner Initiative und die Gründung eines Schutzkomitees, sind auf das nächste Jahr verschoben worden. Maack: Wieder werden rund 350.000 große und kleine Wale als ungewollter Beifang in den Netzen der großen Fischereischiffe verenden.

Stimmenkauf als politisches Mittel

Walschützer beobachten das 56. Treffen der IWC mit Bangen. Seit Monaten zeichnet sich ab, dass neu angeworbene Mitglieder das Stimmenverhältnis in der Kommission zum Nachteil des Walschutzes zu beeinflussen drohen. Kräftige japanische Finanzspritzen helfen in so manchem Fall bei der Entscheidungsfindung.

Es ist kein Geheimnis, warum die neuen IWC-Mitgliedsstaaten Elfenbeinküste, Mauretanien, Surinam und der winzige Südsee-Inselstaat Tuvalu wahrscheinlich für die Wiederaufnahme des Walfangs stimmen werden. Der Grund ist in japanischen Pressemeldungen nachzulesen. So im Juni, als Japans IWC-Vertreter erklärte, sie hätten an jede potenzielle Nation auf allen Ebenen und an allen nur denkbaren Orten appelliert.

Das Wesen dieser Appelle hat der frühere stellvertretende Fischereiminister, Hiraoki Kameya, schon 1999 erklärt: Es sei wesentlich, die Zahl der Nationen zu erhöhen, die Japan unterstützen, ... [und dafür] notwendig, Entwicklungshilfe und Forcierung der IWC-Mitgliedschaft wirksam zu koppeln.

Klarer Fall: Hier stimmt direkt vor unseren Augen das Geld ab, so John Frizell von der Greenpeace-Delegation. Einige der weltweit ärmsten Entwicklungsländer werden für den Walfang benutzt. Wir müssen diesen Stimmenkauf stoppen, bevor es zu spät ist.

Mit der Berliner Initiative hatte die IWC eine Entwicklung von der Walfang- zur Walschutzkommission vollzogen. In Sorrent sind Gegner und Befürworter des kommerziellen Walfangs wieder fast gleichauf. Aber noch ist das internationale Walfangmoratorium von 1986 nicht von der Pattsituation bedroht. Es aufzuheben, erfordert eine Dreiviertelmehrheit. Das gleiche gilt für das Walschutzgebiet im Südlichen Ozean.

Andere Entscheidungen aber hängen unter Umständen an einer einzelnen Stimme. Beispielsweise könnte der so genannte wissenschaftliche Walfang ausgeweitet werden, mit dem die großen Walfangnationen Japan, Norwegen und Island das Moratorium unterlaufen.

Während in Italien die Vertreter von 56 Nationen über Walfang oder Walschutz debattieren, sind die norwegischen und japanischen Walfänger auf den Meeren unterwegs. Mehr als 1.500 Großwale sind 2004 für den Abschuss freigegeben, den angeblich wissenschaftlichen Fang inbegriffen. (sit)

Gute Vorsätze 2003 - die Berliner Initiative: 55. Jahrestagung der IWC

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