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Isländische Walfänger zurückgekehrt

Die Walfangsaison in Island ist für dieses Jahr vorbei. 36 Minkewale wurden bis Ende September für das isländische Walfangprogramm getötet. Die isländische Regierung hatte sich selbst eine Quote von 38 Tieren gegeben.

Angeblich benötigt Island die toten Tiere für wissenschaftliche Experimente. So sollen Meeresbiologen das Gewebe der Wale auf Schadstoffe untersuchen und nach hormonellen Zusammenhängen forschen. Die Untersuchungsergebnisse sollen im nächsten Frühjahr der IWC übergeben werden.

Island gehört zu den Staaten, die versuchen, das Walfangmoratorium einfach zu umgehen. Dazu beantragten sie bei der IWC eine Sondererlaubnis, Wale zu so genannten wissenschaftlichen Zwecken fangen zu dürfen.

In einer Resolution der diesjährigen Konferenz der IWC in Berlin wurden jedoch Bedenken gegen diese Praxis geäußert. Japan beispielsweise verkaufe jährlich 3000 Tonnen Walfleisch und -blubber der mit Sondererlaubnis gefangenen Wale. Bei Islands Walfangprogramm befürchte man Ähnliches. Zumal hier sogar 4000 Tonnen Essbares anfielen, wenn ab nächstem Jahr 250 Großwale geschossen werden.

Neben Minkewalen stehen auch Finn- und Seiwale auf der Abschussliste der Isländer. Der Weltnaturschutzbund (IUCN) stuft sie als stark gefährdet ein, nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) gelten sie sogar als vom Aussterben bedroht.

Greenpeace fordert ein absolutes Walfangverbot. Denn auch der so genannte wissenschaftliche Walfang dient ausschließlich kommerziellen Interessen. Jährlich werden weit über 1000 Wale getötet, obwohl sie durch das Moratorium geschützt sein müssten. Es ist an der Zeit, dass die Mitglieder der IWC den Konventionstext ändern und den tatsächlichen Schutz aller Wale durchsetzen, sagt Thilo Maack, Greenpeace-Meeresbiologe. (mod)

Weitere Informationen finden Sie in unserem Factsheet: Island tötet wieder Wale.

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