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Isländische Walfänger in See gestochen

Am Sonntag sind drei isländische Walfangschiffe im Auftrage des Marine-Instituts des Landes aufgebrochen, um in den kommenden sechs Wochen 38 Minkewale zu töten. Anhand der getöteten Tiere will Island angeblich die Rolle der Wale im Meeresökosystem rund um die Insel im Nordatlantik genauer bestimmen. Auf seinen Internetseiten erklärt das Fischerei-Ministerium Islands, dass das Land lebensnotwendig auf den Fischfang angewiesen sei und verweist auf den Zusammenbruch einiger Fischbestände in letzter Zeit.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen, die Reykjavik vornehmen will, zielen vorrangig darauf ab, zu zeigen, dass Wale zu viel Fisch wegfressen, kritisiert Thilo Maack, Meeresbiologe von Greenpeace. Das ist jedoch eine ökologisch haltlose Behauptung. Die immer häufiger festgestellte Fischarmut in den Ozeanen ist allein auf die menschengemachte Überfischung zurückzuführen. Die Wale sollen jetzt als Sündenbock für die menschlichen Verfehlungen herhalten.

Das Greenepace-Flaggschiff Rainbow Warrior ist derweil auf dem Weg in den Nordatlantik. Das vorrangige Ziel der Aktivisten an Bord ist, die isländische Öffentlichkeit zu informieren. Für Greenpeace-Geschäftsführer Gerd Leipold steht fest, dass Island mit dem vorgeblich wissenschaftlichen Walfang nur den kommerziellen Walfang durch die Hintertür einführen will. Weltweit ist die Entscheidung Reykjaviks auf Empörung und Ablehnung gestoßen. In Großbritannien hat die renommierte Tierschutzorganisation Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (RSPCA) den Verbrauchern empfohlen, in Zukunft zweimal nachzudenken, bevor sie Fisch aus Island kaufen. (mir)

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