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Japanisches Gericht ignoriert Beweise für Walfleischschmuggel und Steuerunterschlagung

Greenpeace-Aktivisten drohen langjährige Haftstrafen

Ein japanisches Gericht hat es heute abgelehnt, im Verfahren gegen die Greenpeace-Aktivisten Junichi Sato und Toru Suzuki die von Greenpeace vorgelegte Beweiskette zur Unterschlagung von Walfleisch und dem profitorientierten Handel damit anzuerkennen. Damit werden die Belege für den größten Skandal der japanischen Walfanggeschichte ignoriert. Trotzdem wird die Anklage gegen die beiden Walschützer wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs weiterverfolgt, ihnen drohen mehrere Jahre Haft.

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Junichi und Toru hatten im Mai 2008 über 23 Kilogrammm illegal geschmuggeltes Walfleisch sichergestellt und als Teil einer umfangreichen Beweiskette der Staatsanwaltschaft übergeben. Allerdings wurde die gerichtliche Untersuchung des Walfleischschmuggels und der massiven Unterschlagung von Steuergeldern nach kurzer Zeit fallen gelassen. Statt dessen wurden die japanischen Greenpeace-Aktivisten wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs vor Gericht gestellt.

Es ist offensichtlich, dass die japanische Regierung nicht Recht sprechen, sondern es brechen will. Die Entscheidung ist politisch motiviert!, sagt Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. Genauso könnte man einen Feuerwehrmann wegen Hausfriedensbruchs anklagen, wenn er bei der Menschenrettung eine Tür aufbricht. Der Walfang wird seit Jahren ausschließlich mit japanischen Steuergeldern finanziert und die Untersuchung der von uns vorgelegten Beweiskette hätte ihre langjährige Unterschlagung im großen Stil gezeigt.

Auch mit dem Regierungswechsel in Japan ist somit keine Änderung der japanischen Walfangpolitik zu erwarten. Erst vor wenigen Tagen machte dies der japanische Außenminister gegenüber seinem australischen Amtskollegen deutlich. In dem Gespräch bat der japanische Regierungsvertreter um Unterstützung, um gegen die Demonstranten von Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace vorgehen zu können, die den Abschuss von Walen im Südpolarmeer zu verhindern versuchen.

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