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Greenpeace-Abschiedsgruß an die IWC

Mit drei toten Schweinswalen direkt vor ihren Augen sind die Delegierten der Internationalen Walfangkommission am Donnerstag an die Realität erinnert worden: den Tod Hunderttausender Wale und Delfine durch Jagd, Meeresverschmutzung, Unterwasserlärm oder Beifang in Fischernetzen. Greenpeace-Aktivisten hatten die Tiere früh morgens im Innenhof des Berliner Estrel-Hotels abgeladen. Mit ihrer Aktion forderten sie die IWC auf, jetzt im Rahmen der Berlin Initiative konkrete Maßnahmen zum Überleben der Meeressäuger zu ergreifen.

Wie notwendig die Erinnerung war, hat die IWC am letzten Tag ihres Treffens selber noch einmal bewiesen: Die Resolution zur Reduzierung des Beifangs wurde wegen Aussichtslosigkeit zurückgezogen. Ein Skandal! empörte sich Greenpeace-Meeresbiologin Andrea Cederquist. Hier wird akzeptiert, dass Delfine und Wale zu Hunderttausenden tot oder sterbend über Bord geworfen werden.

Die drei verendeten Schweinswale, die Greenpeace den IWC-Delegierten präsentiert hat, stehen beispielhaft für das massenhafte Sterben in den Meeren. Allein in den Stellnetzen der dänischen Fischer, die zusammen eine Länge von 5.000 bis 10.000 Kilometern ergeben, ertrinken jedes Jahr 7.000 der kleinen Wale. Mit ihrem Echolot-Ortungssystem können die Tiere die aus feinem reißfestem Nylongarn bestehenden Netze nicht erkennen. Sie verfangen sich darin und kommen nicht mehr frei. Mittlerweile sind Schweinswale in der Ostsee vom Aussterben bedroht.

Den tödlichen zufälligen Beifang zu verhindern, wird eine der Aufgaben des neuen Komitees sein, dessen Gründung am ersten Konferenztag mit der Berlin Initiative beschlossen wurde. Der IWC bietet sich damit die Chance zur Neuorientierung. Bisher hat die Kommission sich ausschließlich um die Großwale als Ressource für die Jagd gekümmert. Jetzt hat sie sich den Schutz aller Wale, auch der Kleinwale und Delfine, auf die Fahnen geschrieben. Das zumindest ist als großer Erfolg der diesjährigen IWC-Tagung zu bewerten.

Dem täglichen qualvollen Walsterben darf nicht mehr tatenlos zugesehen werden, betonte auch Cederquist noch einmal. In den nächsten Monaten müssen Schutzmaßnahmen ergriffen und Zeitschienen festgelegt werden, damit die dramatische Anzahl getöteter Wale endlich reduziert wird. Die Walschutzländer müssen ausreichend Geld zur Verfügung stellen, um die Umsetzung der Schutzmaßnahmen zu garantieren. (sit)

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