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Gegen jedes Einsehen: Island jagt wieder Wale

Ein schwarzer Tag im Kampf gegen den kommerziellen Walfang. Trotz massiver internationaler Proteste verließ am Dienstag das isländische Walfang-Schiff Jóhanna den Hafen von Njardvík im Südosten der Atlantikinsel. Die traurige Mission: Der Abschuss von 100 Zwergwalen bis zum Spätsommer. Die Hälfte des dabei erbeuteten Walfleisches soll nach Japan exportiert werden.

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Augen zu und durch, scheinen sich die neu gewählte isländische Linksregierung und die Premierministerin Jóhanna Sigurðardóttir zu denken. Zwar hatten neben Umweltaktivisten auch mehrere Staaten, darunter Deutschland und die USA, sowie die isländische Tourismus-Branche die Jagd scharf verurteilt. Doch die Regierung zeigte sich mut- und kraftlos, dem blutigen Treiben ein schnelles Ende zu setzen. Und das trotz eines klaren Anti-Walfang-Kurses vor der Wahl.

Der kommerzielle Walfang ist weltweit durch das Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) von 1986 verboten. Nicht zuletzt deswegen dürfte die von Sigurðardóttir angestrebte Aufnahme in die EU auch davon abhängen, ob Island weiterhin die Jagd auf die Meeressäuger zulässt. Die Regierung erklärte jedoch die vor der Wahl beschlossene Fangquote für unumstößlich.

Walfang und EU-Beitrittspläne passen nicht zusammen. Es wird Zeit, dass Frau Sigurðardóttir glaubhaft handelt und den Walfang mitsamt der illegalen Exportpläne stoppt, sagt Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. Dabei stehe auch die Bundesregierung in der Pflicht, die nun ihre diplomatischen Muskeln spielen lassen müsse. Denn: Der kommerzielle Walfang hat keinen Platz im 21. Jahrhundert.

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