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Alibistudie zum Schutz der Grauwale?

Ein Ölkonsortium unter Führung von Shell hat am Donnerstag angekündigt, fünf Millionen US-Dollar für weitere Forschungen zu einer bedrohten Grauwal-Population vor der russischen Insel Sachalin investieren zu wollen. Mit dem Forschungsprojekt reagiert das Konsortium auf die Kritik, seismische Untersuchungen nahe den Nahrungsgründen der stark dezimierten Population würden die Tiere abschrecken und von der Nahrungsaufnahme abhalten.

Die Region vor der Pazifikinsel Sachalin ist reich an Öl- und Gasfeldern, die bisher nur teilweise ausgebeutet werden. Verschiedene Ölkonsortien arbeiten seit Jahren an der Erschließung weiterer Felder. Beispielsweise sollen unter der Federführung des Konzerns Esso bis spätestens 2005 drei neue Felder mit geschätzten 307 Millionen Tonnen Öl und 485 Milliarden Kubikmeter Erdgas erschlossen sein. Umweltschützer warnen, dass das Projekt verhängnisvolle Auswirkungen auf eine kleine Population von Grauwalen haben könnte. Die Gruppe zählt nur noch 100 Tiere und gilt als die am stärksten bedrohte Population überhaupt.

Die Grauwale vor Sachalin sind von der Ölförderung akut bedroht. Weitere Tätigkeiten der Ölfirmen in der Region sollten mindestens so lange ausgesetzt werden, bis unabhängige Wissenschaftler die Unbedenklichkeit der Aktivitäten nachgewiesen haben, sagt Greenpeace-Experte Karsten Smid. Esso hat bereits seine Finanzierung zurückgezogen, nachdem Experten bei den Grauwalen negative Beeinträchtigungen festgestellt haben. Eine Frage drängt sich auf: Fürchtet Esso, dass die Ergebnisse der Walforscher die Durchführung des Ölprojekts gefährden? (sit)

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