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Zurück in die Arktis

Trotz Pleiten, Pech und Pannen will es Shell wieder versuchen: Der Ölkonzern strebt erneut Probebohrungen vor der Küste Alaskas an.

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Shell will anlässlich neuer Probebohrungen in die Tschuktschensee zurückkehren. Am 31. August hat der Ölkonzern bei der US-Regierung einen entsprechenden Plan eingereicht, wonach das Ölfeld mit zwei Bohrinseln exploriert werden solle. Shell betonte, noch keine endgültige Entscheidung darüber getroffen zu haben, ob bereits im nächsten Jahr gebohrt werden solle, im Antrag beim US-amerikanischen Innenministerium sei dies jedoch als Option offengehalten.

Shell hatte vor der Küste Alaskas im Jahr 2012 erste Bohrungen durchgeführt, jedoch nur an oberflächlichen Schichten, da Notfall-Equipment bei behördlichen Tests durchgefallen war. Den Höhepunkt einer langen Pannenserie markierte das Aufgrundlaufen der Bohrinsel Kulluk Ende des Jahres 2012. Insgesamt hat der Konzern bislang etwa 6 Milliarden Dollar in das Arktis-Projekt investiert.

"Obwohl eine Vielzahl von Experten vor den katastrophalen Folgen eines Ölunfalls in der Arktis warnt, drängt Shell mit aller Macht in den hohen Norden. Wenn es Obama ernst meint mit mehr Klimaschutz, muss er dafür sorgen, dass Shell die Finger von der Arktis lässt. Trotz der Unsummen, die Shell investiert hat, ist der Konzern nicht dazu in der Lage, auch nur für ein Mindestmaß an Sicherheit zu sorgen," kommentiert John Deans, Arktis-Experte von Greenpeace USA.

In den Jahren 2013 und 2014 pausierte Shells Arktis-Projekt. Die beiden für die Bohrungen vorgesehenen Einheiten - die Ölbohrinsel Kulluk und das Bohrschiff Noble Discoverer - wurden zu Reparaturarbeiten in asiatische Werften gebracht. Anfang 2014 entschied ein US-Berufungsgericht, dass das US-Innenministerium die an Shell ausgestellte Lizenz ("lease 193") nochmals überprüfen müsse - wegen einer fehlerhaften Umweltverträglichkeitsprüfung. Das US-Innenministerium führt derzeit eine Neuprüfung durch. Um erneut in der Arktis bohren zu dürfen, muss Shell verschiedene Bestimmungen erfüllen.

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