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Großer Erfolg: Nach fünfzig Jahren beendet Lego Kooperation mit Shell

Shell verbannt aus Legos Land

Am Donnerstag gab der Spielzeughersteller Lego bekannt, einen Kooperationsvertrag mit Shell nicht zu verlängern. Greenpeace hatte sich monatelang für ein Ende der Partnerschaft mit dem Ölkonzern eingesetzt.

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Greenpeace hatte mit einer internationalen Petition und Aktionen auf der ganzen Welt ein Ende der seit 50 Jahren bestehenden Geschäftsbeziehung zwischen Lego und Shell gefordert. Lego hat dem wachsenden öffentlichen Druck nun nachgegeben und angekündigt, den laufenden Promotion-Vertrag mit Shell nach seinem Ablaufen zu beenden.

Steine des Anstoßes waren nicht zuletzt eigens kreierte Lego-Bausätze mit Shell-Logo, von denen sich der Ölkonzern eine Verbesserung seines Images bei Kindern erwartete - natürlich mit für Shell wünschenswerten Effekten auf das Kaufverhalten der Eltern. Diese Form der Imagepflege und die Instrumentalisierung einer jungen Zielgruppe ist gerade im Fall Shell ethisch verwerflich: Das Unternehmen gehört zu den Ölkonzernen, die die Ausbeutung arktischer Offshore-Ölfelder maßgeblich vorantreiben. Ölbohrungen in der Arktis gelten wegen der dort herrschenden extremen Bedingungen und der Abgeschiedenheit der Region als besonders riskant. Ein Ölunfall mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur ist hier nur eine Frage der Zeit.

"Lego hat erkannt, dass eine Kooperation mit einem Ölkonzern wie Shell die eigene Glaubwürdigkeit gefährdet. Shell versucht seit Jahren in der Arktis nach Öl zu bohren und setzt eine der letzten unberührten Naturlandschaften der Erde aufs Spiel. Dieses rücksichtslose Verhalten der Ölkonzerne wird gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert. Mit dem heutigen Schritt versucht Lego nun sein Image zu schützen," kommentiert Lisa Otte, Arktis-Expertin bei Greenpeace die Entscheidung von Lego.

Lego und Shell: Eine unselige Verbindung

Die rücksichtslosen und umweltschädigenden Geschäftspraktiken von Shell stehen in einem krassen Widerspruch zu den Zielen und Werten, zu denen Lego sich bekennt. Das dänische Unternehmen hat sich zu ambitionierten Nachhaltigkeitskriterien verpflichtet: Lego will perspektivisch mehr Erneuerbare Energien produzieren als verbrauchen und den Rohstoff Öl bei der Herstellung von Lego-Produkten ersetzen. Bei der Auswahl künftiger Werbe- und Geschäftspartner wünscht Greenpeace Lego daher ein deutlich glücklicheres Händchen.

Die Kampagne gegen die Kooperation zwischen Lego und Shell ist Teil einer internationalen Greenpeace-Kampagne zum Schutz der Arktis. Weltweit haben mehr als eine Million Menschen die Petition an Lego unterzeichnet und ein Ende der Geschäftsbeziehungen mit Shell gefordert. Ein Videospot, der in Anlehnung an den Lego-Film auf Shells Arktis-Projekt aufmerksam macht, wurde weltweit fast sechs Millionen Mal abgerufen. Außerdem haben Greenpeace-Aktivisten zuletzt immer wieder öffentlichkeitswirksam gegen die Partnerschaft mit Shell protestiert.

Shell will zurück in die Arktis

Lego ist nicht das erste große Unternehmen, das seine Geschäftsbeziehungen mit der Öl- und Kohleindustrie überprüft und aufgegeben hat. Auf Druck von Greenpeace hat im Jahr 2012 die britische Supermarktkette Waitrose ebenfalls Shell einen Korb gegeben. Im letzten Monat haben Microsoft, Google und Facebook angekündigt, die Lobbygruppe ALEC, die sich gegen strengere Maßnahmen zum Klimaschutz einsetzt, nicht länger zu unterstützen.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass Shell prüft, 2015 vor die Küste Alaskas zurückzukehren. Trotz Investitionen in Höhe von fünf Milliarden Dollar hat der Konzern bereits leidvoll in Erfahrung gebracht, mit welchen Schwierigkeiten Ölbohrungen in der Arktis behaftet sind. Im Jahr 2012 machte das Arktis-Projekt von Shell mit einer Pannenserie von sich reden. Den endgültigen Tiefpunkt markierte die Strandung der Bohrinsel Kulluk im Dezember des Jahres.

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