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Proteste gegen Shell-Ölbohrschiff

Schwimmer gegen Stahlkoloss

Die Proteste gehen weiter. Während Shells riesige Ölplattform Polar Pioneer Kurs auf die Arktis nimmt, versuchen mutige Menschen sie zu stoppen: ein Ringen wie das Davids gegen Goliath.

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„Ich kämpfe gegen Shells Ölbohrpläne und für den Erhalt der traditionellen Lebensweisen meiner in Heimat“, sagt Viktor Pickering. Er kommt von den Fidschi-Inseln, und die sind bereits jetzt vom Klimawandel betroffen. Das von Shell in der Arktis geförderte Öl würde die Erderwärmung noch weiter anheizen. „Der Klimawandel und der damit verbundene Anstieg des Meeresspiegels gefährden die Fidschi-Inseln“, warnt Pickering. Und deshalb ging er gestern ins Wasser.

Gemeinsam mit einem weiteren Schwimmer setzte er vom Greenpeace-Schiff Esperanza aus zu Shells Bohrplattform Polar Pioneer über, die am Montag von Seattle aus Richtung Arktis ausgelaufen war. Proteste begleiten sie auf ihrem Weg entlang der kanadischen Westküste, und eine dieser Protestaktionen ist die von Viktor Pickering und seinem Mitschwimmer. Mitten im Meer, am Fuß des gigantischen Stahlkolosses Polar Pioneer, hielten sie ein Banner mit der Aufschrift „Das Volk gegen Öl“ in die Höhe.

Öltransport gefährdet Lebensweise indigener Gemeinden

Auch die Kanadierin Audrey Siegel, eine indigene Künstlerin und Aktivistin vom Volk der Musqueum, protestierte gegen Shell. Sie führte eine rituelle Trommel-Performance vor der Polar Pioneer auf und forderte, dass die Plattform sofort stoppen solle. „Konzerne wie Shell führen ihre Arktis-Bohrpläne einfach weiter, obwohl weltweit über sieben Millionen Menschen diese Vorhaben stoppen wollen“, kritisiert Siegel. „Es macht mich wütend, dass die Stimmen der Menschen wieder einmal ignoriert werden.“

Audrey Siegel war auch Teil einer Delegation aus verschiedenen indigenen Gemeinden, die während einer zehntägigen Tour auf der Esperanza über Shells Bohrpläne informierte. Im Mai fuhren die Repräsentanten dafür an der kanadischen Westküste entlang. Der Tankerverkehr in eben dieser Region wird massiv zunehmen, wenn Shell in Alaska Öl findet. Wird dieses Öl mit Tankern zu den Häfen in Washington, Kaliforniern und Texas transportiert, müssen dafür mehrere hundert Schiffe pro Jahr die empfindlichen Küstengebiete vor Kanada durchqueren – eine große Gefahr für die dortige Natur und die Lebensweisen der indigenen Gemeinden.

Deren Protest richtet sich aber nicht nur gegen Shells Arktispläne. Erst kürzlich wiesen Gemeinden Hilfsgelder in Höhe von einer Milliarde US-Dollar zurück. Dafür hätten sie ihre Zustimmung zu Gastransporten durch ihre Territorien geben müssen.

„Die indigenen Völker sind die ursprünglichen Hüter des Landes und der Gewässer“, sagt Siegel. „Deswegen werde ich weiterhin meine Stimme erheben – ich will beschützen, was mir heilig ist!“

>>> Unterstützen Sie die Proteste gegen Ölbohrungen in der Arktis - schreiben Sie eine Protestmail an den Geschäftsführer von Shell Deutschland.

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