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Ölpest vor Kalifornien weitet sich aus

Salamitaktik für Öl

Vor der kalifornischen Küste ist eine Ölpipeline gebrochen. Dadurch floss offenbar viel mehr Öl in den Pazifik als zunächst angenommen.

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Ölunfälle scheinen in einem Punkt immer dem gleichen Szenario zu folgen. Die Verursacher der Katastrophen wenden grundsätzlich die Salamitaktik an, wenn es um die Ausmaße der jeweiligen Katastrophen geht. So auch, als vor zwei Tagen bekannt wurde, dass vor der Küste Kaliforniens eine Ölpipeline gebrochen ist. Dazu hieß es zunächst vom Betreiber Plains All America Pipeline, es seien 80.000 Liter Öl ausgeflossen.

Doch langsam wird das wahre Ausmaß des Ölunfalls deutlich. Inzwischen ist von 300.000 Litern die Rede, die aus der 18 Kilometer langen und 1991 gebauten Pipeline ins Meer gelaufen sind. Laut Küstenwache erstreckt sich ein 15 Kilometer breiter Ölfilm vor der Küste. Dieser werde mit Hilfe von Schiffen eingegrenzt und abgeschöpft. Von den betroffenen Strandabschnitten muss der verseuchte Sand beseitigt werden.

Was mehrere hundert Tonnen Rohöl für die Natur vor Ort bedeuten, weiß Jörg Feddern, Biologe und Greenpeace-Experte für Öl: „Mit einfachsten Mitteln wie Eimer und Schaufel wird versucht, diesen Ölunfall unter Kontrolle zu bekommen. Ein mühsames Unterfangen, das für viele Meereslebewesen zu spät kommt. Es macht wieder einmal deutlich, dass Öl, einmal in die Umwelt gelangt, nur mit extrem hohen Aufwand  und mit geringen Erfolgsaussichten beseitigt werden kann.“

„Abhängigkeit vom dreckigen Öl beenden“

Während die Rettungsmannschaften in Kalifornien an den betroffenen Strandabschnitten und mit Ölbekämpfungsschiffen versuchen, die Verschmutzung einzudämmen, macht sich in Kanada das Greenpeace Schiff Esperanza auf seinen Weg nach Alaska. Auf der „People vs Oil“-Tour wollen die Umweltschützer an Bord gegen den Ölkonzern Shell und für den Schutz der Arktis protestieren. Der Grund: Shell will dieses Jahr in der Arktis nach Öl bohren.

Sollte Shell in der Tschuktschensee Öl finden und mit der Förderung beginnen, schätzt die US-Regierung die Wahrscheinlichkeit für einen oder mehrere schwere Unfälle während des geplanten Förderzeitraums von 51 Jahren auf 75 Prozent. Wie schlimm sich ein Ölunfall in der kalten Region der Arktis auswirkt, zeigt das Beispiel der Exxon Valdez: Noch immer sind an der Küste Alaskas die Ölreste des letzten schweren Unfalls vor 26 Jahren nachweisbar.

„Bilder wie von der Exxon Valdez oder aus dem Golf von Mexiko nach der Deepwater-Horizon-Katastrophe könnten der Vergangenheit angehören, wenn die Politik endlich aktiv werden würde“, so Feddern. Sie müsse die Ölindustrie aus der Tiefsee und aus der Arktis verbannen. Feddern fordert: „Nur der konsequente Einstieg in die Erneuerbaren Energien kann die Abhängigkeit vom dreckigen Öl beenden.“ 

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