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Russland: Anklage wegen Piraterie gegen Arctic Sunrise-Aktivisten

UPDATE (3.10.2013, 16:33) Die russische Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch und Donnerstag alle dreißig Mitglieder der Arctic Sunrise-Besatzung wegen „bandenmäßiger Piraterie“ angeklagt - darunter auch zwei freiberufliche Bildjournalisten. Ihnen droht nach russischem Gesetz eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren. Greenpeace kritisiert die Anklage scharf.

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02.10.2013: "Eine Anklage wegen Piraterie wurde gegen Frauen und Männer erhoben, deren einziges Vergehen darin besteht, ein Gewissen zu besitzen. Das ist ein Skandal und stellt nichts weiter dar, als einen Angriff auf die Grundsätze des friedlichen Protests. Jede Behauptung, unsere Aktivisten seien Piraten, ist abwegig und anstößig. Dies ist der Versuch, uns einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen – aber wir werden uns nicht einschüchtern lassen", sagte Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International.

Die brasilianische Aktivistin Ana Paula Alminhana und der freiberufliche Videojournalist Kieron Bryan aus Großbritannien gehören zu den ersten Besatzungsmitglieder, für die am Mittwochmorgen eine Anklage verhängt wurde. Bryan war an Bord der Arctic Sunrise, um die Protestfahrt im Nordpolarmeer zu dokumentieren.

"Dies ist die schwerste Bedrohung für den friedlichen Umweltschutzprotest, dem sich Greenpeace seit der Versenkung der Rainbow Warrior durch den französischen Geheimdienst ausgesetzt sieht. Damals stellten wir uns gegen die Atomwaffentests der Franzosen im Pazifik. Drei Jahrzehnte später stellen sich die Aktivisten der Arctic Sunrise gegen die Interessen der mächtigen Ölindustrie."

Kumi Naidoo ruft Menschen auf der ganzen Welt dazu auf, die Aktivisten zu unterstützen und sich für ihre Freilassung einzusetzen: "Steht uns bei und fordert mit uns die Freilassung der Arctic 30."

Bitte unterstützen Sie unsere Protestmail-Aktion für die Freilassung der Aktivisten!

Die Besatzung des Greenpeace-Schiffs Arctic Sunrise protestierte am 18. September an der Gazprom-Plattform gegen die fortschreitende Industrialisierung und Zerstörung der Arktis. Gazprom will in Kürze als erster Konzern die Ölproduktion aus arktischen Gewässern aufnehmen - unter Inkaufnahme eines hohen Unfallrisikos.

Neue Fotos zeigen friedliche Absichten der Aktivisten

Die 28 Aktivisten und die zwei freiberuflichen Journalisten befanden sich in der Nähe der Gazprom-Ölplattform Prirazlomnaya in der russischen Petschorasee, als zwei Greenpeace-Aktivisten versuchten an der Seite der Plattform ein Banner zu befestigen.

Greenpeace veröffentlicht heute Fotos auf denen sich der russische Sicherheitsdienst von einem Helikopter auf das Deck der Arctic Sunrise abseilt und das Schiff mit Waffengewalt übernimmt. Die Fotos zeigen eindeutig die friedlichen Absichten der Aktivisten und dass sie keine Gefahr für die russischen Behörden darstellten.

"Sehen Sie sich die Fotos an und entscheiden selbst, ob die friedlichen Aktivisten mit erhobenen Armen, auf die Waffen gerichtet werden, der Piraterie bezichtigt werden können?"

Weltweit haben inzwischen etwa 770.000 Menschen eine Protestmail an russische Botschaften verschickt und diese aufgefordert, auf eine Freilassung der Arctic 30 hinzuwirken. Viele Menschrechtler, Politiker und Journalisten appellierten an die russische Regierung. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte in der letzten Woche erklärt, dass die Greenpeace-Aktivisten nach seiner Einschätzung "eindeutig keine Piraten" seien.

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