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Russische Justiz beantragt Haftverlängerung für Arctic 30

Die russische Ermittlungsbehörde will eine Fortsetzung der Untersuchungshaft für die Arctic 30 um weitere drei Monate beantragen. Nach einem friedlichen Protest an einer Gazprom-Bohrinsel war für die 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten vor knapp zwei Monaten die Haft bis zum 24. November angeordnet worden. Die Arctic 30 sind wegen "Rowdytums" und "Piraterie" angeklagt.

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Bislang sind für sechs der Inhaftierten entsprechende Anträge beim Amtsgericht in Kalininskiy eingegangen. Die übrigen 24 Anträge werden aller Voraussicht nach heute (Freitag) und am nächsten Montag gestellt.

Die Arctic 30 sind seit der Stürmung der Arctic Sunrise am 19. September in Gewahrsam in russischen Haftanstalten. Die Ermittlungsbehörde strebt für die Verlängerung der Untersuchungshaft eine weitere Verwahrung im Gefängnis an. Damit es dazu kommt, muss ein Richter den Anträgen zunächst zustimmen. Geschieht das nicht, müssten die dreißig Angeklagten freigelassen werden. Die Anhörungen dazu werden in der nächsten Woche stattfinden.

Auf die Nachricht reagierte Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International, mit großer Enttäuschung:

"Wir werden uns erbittert gegen den absurden Versuch wehren, die Männer und Frauen im Gefängnis zu behalten - für ein Verbrechen, das sie nicht begangen haben. Sollte die Behörde mit den Anträgen Erfolg haben, werden wir Widerspruch einlegen und die Freilassung fordern, sobald das Gericht einen Anhörungstermin festlegt. Das Ganze ist eine Farce, eine Ungeheuerlichkeit, die das Recht verhöhnt. Es ist Zeit, dass die Arctic 30 nach Hause gelassen werden."

Sollte das Gericht in der nächsten Woche dem Antrag der Ermittlungsbehörde folgen, wird Greenpeace International erneut eine Freilassung gegen Kaution beantragen. Falls diesem Antrag zugestimmt wird, könnten damit Ausreiseverbote für die Angeklagten einhergehen, die sie zwingen würden, während der Dauer der Ermittlung in Russland zu bleiben.

"Jeder weiß, dass es sich nicht um eine ernsthafte Ermittlung handelt. Diese mutigen Männer und Frauen werden nicht für das festgehalten, was sie getan haben, sondern weil sie auf gefährliche Ölbohrungen in der Arktis aufmerksam gemacht haben", so Naidoo.

Zum Weiterlesen:

Deutsche Politiker fordern Freilassung der Aktivisten

Arctic 30 nach St. Petersburg verlegt

Video:Die Stürmung der Arctic Sunrise

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