Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Russische Behörde erhebt Anklage wegen Rowdytums

Die russische Ermittlungsbehörde hat am Donnerstag damit begonnen, formell Anklage wegen "Rowdytums" gegen die "Arctic 30" zu erheben. Nach Artikel 213 des russischen Strafgesetzbuches drohen für diese Anklage, die die bisherige Anklage "Piraterie" ablöst, bis zu sieben Jahre Gefängnis.

  • /

Die Besatzungsmitglieder des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise waren vor einem Monat nach einem friedlichen Protest an der Gazprom-Ölbohrinsel Prirazlomnaya vor der russischen Küste festgenommen und in Untersuchungshaft gesteckt worden. Am Donnerstag hat das Gericht in Murmansk drei noch verbliebenene Anträge auf eine Freilassung gegen Kaution abgelehnt.

Der Greenpeace-Aktivisten Andrey Allakhverdov aus Russland war am Donnerstag der Erste, gegen den die Anklage wegen "Rowdytums" erhoben wurde. Dieselbe Anklage dürfte nun auch die übrigen 27 Greenpeace-Aktivisten, einen freiberuflichen Videofilmer und einen freien Fotografen treffen. Ben Ayliffe von Greenpeace International kommentiert:

"Bei der Stürmung der Arctic Sunrise wurden elf Warnschüsse abgefeuert, Kugeln schlugen neben den Aktivisten im Wasser ein, sie wurden mit Waffen und Messern bedroht und werden auf Grundlage erfundener Anklagen festgehalten, um Gazproms Öl-Interessen zu schützen. Es stellt sich die Frage, wer hier die eigentlichen Randalierer sind?"

"Rowdytum" ist ein ernster und völlig überzogener Vorwurf. Obwohl die Ermittlungsbehörde gestern der Einschätzung internationaler Rechtsexperten und Präsident Putins zustimmte, dass die "Arctic 30" nicht wegen Piraterie angeklagt werden sollten, wurde dieser Anklagepunkt gegen Allakhverdov heute offiziell nicht fallengelassen. Formell ist er daher sowohl wegen Piraterie als auch Rowdytums angeklagt.

Nach internationalem Recht haben Staaten kein Recht, das Schiff eines anderen Staates in internationalen Gewässern wegen Rowdytums aufzubringen (anders verhält es sich bei Piraterie). Damit ist die Festnahme der Arctic 30 illegal. Greenpeace fordert ihre sofortige Freilassung. Unterstützen Sie uns und schreiben Sie eine Protestmail an den russischen Botschafter.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Seismische Untersuchungen bedrohen Wale

Der Lärm seismischer Untersuchungen bei der Suche nach Öl wirkt sich negativ auf Meereslebewesen aus – so das Ergebnis eines neuen Berichts der Marine Conservation Research.

Zur Kampagne

Arktis-Pläne einfrieren!

Shell ist zurück in der Arktis. Vor der Küste Alaskas sucht der Konzern nach Öl – trotz hoher Risiken und internationaler Proteste.

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Aufräumen am Ende der Welt

Plastikmüll an Stränden ist leider nichts Neues. Aber in der Arktis? Greenpeace barg an der Küste Spitzbergens bergeweise Kunststoff – Folgen einer ausufernden Fischereiindustrie.

12 Freunde

Die Kiezkicker vom FC St. Pauli unterstützen die Greenpeace-Kampagne zum Arktisschutz – und unterzeichneten als erster deutscher Profisportverein die Arctic Declaration.

Überraschender Besuch

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise trägt den Protest gegen die Ölbohrungen des Konzerns OMV in die Barentssee. Vor dessen Ölplattform flattern nun Banner: „Raus aus der Arktis!“